Sonntag, November 28, 2010
Bangor, here I come
In meinem Kopf rauscht ein riesiges "Endlich" mit der Kraft Milliarden Schneeflocken zu tragen und erinnert mich daran, dass langer Atem sich auszahlt. In Leipzig stehen nämlich inzwischen die Zeichen auf Abschied. Regal leer, Kisten im Flur, Wohnzimmer gestrichen und endlich, endlich wieder ein Ziel in Sichtweite. Die Flugtickets sind gebucht, wichtige Verabredungen für Ende Dezember geplant, Hausarbeiten allgegenwärtig und - es wird auch Zeit! - erster Advent. Ich bin schon ganz in diesem Gefühl. Vielleicht weil ich schon im April Richtung Weihnachten vorgeprescht bin und mich dann doch noch etwas gedulden musste. Gerade sind Lebkuchen im Ofen, die selbstgebacken tatsächlich schmecken und mir persönlich viel lieber sind, als die aus dem Supermarkt. In mir summt es vor Vorfreude, es zieht mich hin zu Weihnachten, schon hinein in das neue Jahr, mein Herz hat nur ein "immer voran" im Blick, während ich hier den letzten Ballast abwerfe und Frieden mache. Jetzt erst geht es. Und geht doch nur mit Gedanken an diese gleißenden Tage im Juli. Dass das so lange dauert, hätte ich nie gedacht.
Ich fühle euch gerade sehr. Und ich kann nur hoffen, dass auch ihr freudestrahlend die Hand nach den ersten Schneeflocken ausstreckt, dass auch ihr euch in den kommenden Adventswochen hin und wieder dabei ertappt, überrascht zu sein und dankbar für dieses große Glück, das wir Leben nennen.
Dienstag, November 23, 2010
Wenn Bücher zu Gläsern werden
oder zu gläsernen Häusern und die Menschen darin sind Freunde oder tragen vielleicht sogar mein eigenes Herz in der Brust, dann bleibt das Steinewerfen nicht aus:
"In all my juvenile nights, my tossing and turning, my struggling with the narrative of reality and illusion and my desperation to define everything, I never expected that love would be this: An adventurous journey, undertaken seperately to no avail other than shaping our hearts to become matching puzzle pieces, which are never to become one, always lingering in the realm of painfully incomplete perfection."
Still with Oscar.
"In all my juvenile nights, my tossing and turning, my struggling with the narrative of reality and illusion and my desperation to define everything, I never expected that love would be this: An adventurous journey, undertaken seperately to no avail other than shaping our hearts to become matching puzzle pieces, which are never to become one, always lingering in the realm of painfully incomplete perfection."
Still with Oscar.
Dienstag, November 16, 2010
Oh, Oscar....
Im Buch stirbt ein Mann genau in dem Moment, da er allen Glauben an sich, Gott und die Welt verloren hat und in Leipzig hört es nicht mehr auf zu regnen.
Ich habe gerade "Oscar and Lucinda" fertig gelesen. Eine Geschichte, die sich nicht darum bemüht ihre scharfen Kanten abzuschleifen. Sie erspart dem Leser nicht das verzweifelte Hoffen und auch nicht die Vergeblichkeit eben dieser Hoffnung. Es ist die Erzählung von zwei wilden Kindern, zwei neuen Seelen, die unbeschadet sind und neugierig und die am Ende doch erdrückt werden, die sich ergeben müssen:
"She did not expect to be happy, [...] happiness snuck up on her like a poacher in the night. [...] She had not know she was happy, but it had been silently remarked on by others [...]"
"She could marry this man, she knew, and still be captain of her soul."
Und schon während ich dieses Buch durchblättere nach geeigneten Zitaten, weiß ich, dass sie hohl klingen. Zu kitschig für zwei so unprätentiöse Charaktere, zwei Spieler, die alles setzen, als sie längst gewonnen haben.
Es nimmt mich mit. Dass es auch unüberwindbares gibt. Dass manches nicht wird. "Es ist ungerecht, Ben!"
Derweil regnet es hier seit mehr als 20 Stunden ununterbrochen. Alles schwimmt und trieft. Hell wird es auch nicht mehr. Ein Wetter zum drinnenbleiben.
Ich habe gerade "Oscar and Lucinda" fertig gelesen. Eine Geschichte, die sich nicht darum bemüht ihre scharfen Kanten abzuschleifen. Sie erspart dem Leser nicht das verzweifelte Hoffen und auch nicht die Vergeblichkeit eben dieser Hoffnung. Es ist die Erzählung von zwei wilden Kindern, zwei neuen Seelen, die unbeschadet sind und neugierig und die am Ende doch erdrückt werden, die sich ergeben müssen:
"She did not expect to be happy, [...] happiness snuck up on her like a poacher in the night. [...] She had not know she was happy, but it had been silently remarked on by others [...]"
"She could marry this man, she knew, and still be captain of her soul."
Und schon während ich dieses Buch durchblättere nach geeigneten Zitaten, weiß ich, dass sie hohl klingen. Zu kitschig für zwei so unprätentiöse Charaktere, zwei Spieler, die alles setzen, als sie längst gewonnen haben.
Es nimmt mich mit. Dass es auch unüberwindbares gibt. Dass manches nicht wird. "Es ist ungerecht, Ben!"
Derweil regnet es hier seit mehr als 20 Stunden ununterbrochen. Alles schwimmt und trieft. Hell wird es auch nicht mehr. Ein Wetter zum drinnenbleiben.
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Dienstag, November 09, 2010
Montag, November 01, 2010
que sera sera
Das Winterrad ist fahrtüchtig, die Ersti-Woche gelaufen, die Kündigungsbestätigung lässt weiter auf sich warten, am Donnerstag kommt eine Professorin aus Wales und am Mittwoch kommt schon wieder eine neue Interessentin für den FSR vorbei. Wir haben plötzlich mächtig Zulauf. Darüber möchte ich mich aber nicht beschweren. Mehr Leute heißt ja auch weniger Arbeit für mich. Hoffentlich.
Und noch einen weiteren Grund zum Nicht-Beschweren bekam ich heute direkt geliefert, als ich mich kurz mit eben jener Interessierten unterhielt: Sollte sie auch sonst nichts für den FSR tun, so habe ich in Zukunt doch wenigstens während der Sitzung was zu gucken. Und das ist auf jeden Fall positiv.
Apropos gucken, was kommt: Die Kurswahl für Bangor gestaltet sich doch eine ganze Ecke komplizierter als erwartet. Irgendwie finde ich mich auf der Website noch nicht so wirklich zurecht. Deswegen werde ich die arme Frau aus Bangor am Donnerstag erstmal mit einer Frageliste bombardieren und hoffen, dass ich dann ein wenig schlauer bin. Zu hoffen bleibt auch, dass dieses Semester irgendwie gut ausgeht, denn obwohl ich bisher erst zwei Module besuche, bin ich voll und ganz ausgelastet. BiWi beginnt erst Ende November und ich bin mir nicht so sicher, welche weltbewegenden Erkenntnisse ich da bis Januar gewinnen soll, die mir ermöglichen dort eine Prüfung abzulegen... ich bin gespannt.
Auf Herzebene: Ich musste feststellen, dass ich meine jugendlichen Egoismus zumindest soweit verloren habe, dass ich nun nicht mehr glaube, der einzige fühlende und denkende Mensch zu sein. Deswegen erscheinen in letzter Zeit häufiger Dinge nicht unbedingt mitteilenswert und ich reduziere mein Output ganz schön. Ein Prozess mit dem ich nicht ganz zufrieden sein kann, da er sich auch auf Lieder und Gedichte erstreckt, die nunmehr vielfach ungeschrieben bleiben. Oder aber unveröffentlicht. Ich versuche daran noch zu drehen und zu rütteln, aber am Ende kommt doch alles, wie es soll. Und wie es denn soll, darauf bin ich neugierig.
Die Mia ist inzwischen in Paris und muss auch nicht unter der Brücke schlafen, Claudi weilt im Norden Londons, Olli ist in Schottland, Susi grade aus New York zurück und Julia packt Koffer für Barcelona. Es scheint das akademische Jahr des großen WeitWegs zu sein und dass soviele in diesem Zeitraum gehen, stimmt mich positiv, denn das bedeutet, dass die Meisten wohl im nächsten Wintersemester wieder mit mir zusammen studieren. Großartig.
Sonst gibt es von der Studienfront ja eher ärgerliches zu hören: Sachsen will das Staatsexamen wieder einführen. Als wären die neuen Abschlüsse icht schon genug in Verruf, will man sie nun auch von offizieller Stelle nochmals abwerten. Dabei wäre es vielleicht nicht verkehrt das Geld lieber in die Verbesserung des neuen Systems zu stecken. Das hat nämlich tatsächlich Potenzial. Wahrscheinlich antizipiert Sachsen damit aber lediglich die anstehenden großen Kürzungen im Bildungsbereich, denn ohne Geld für Tutorien, Konsultationen und kleine Seminare wird es nix mit der Qualität im Bachelor und Master. Ich könnte mich aufregen! Natürlich vor allem, weil ich mich hier im neuen System abmühe... So ist das eben: Nie kann mans mir recht machen.
Und noch einen weiteren Grund zum Nicht-Beschweren bekam ich heute direkt geliefert, als ich mich kurz mit eben jener Interessierten unterhielt: Sollte sie auch sonst nichts für den FSR tun, so habe ich in Zukunt doch wenigstens während der Sitzung was zu gucken. Und das ist auf jeden Fall positiv.
Apropos gucken, was kommt: Die Kurswahl für Bangor gestaltet sich doch eine ganze Ecke komplizierter als erwartet. Irgendwie finde ich mich auf der Website noch nicht so wirklich zurecht. Deswegen werde ich die arme Frau aus Bangor am Donnerstag erstmal mit einer Frageliste bombardieren und hoffen, dass ich dann ein wenig schlauer bin. Zu hoffen bleibt auch, dass dieses Semester irgendwie gut ausgeht, denn obwohl ich bisher erst zwei Module besuche, bin ich voll und ganz ausgelastet. BiWi beginnt erst Ende November und ich bin mir nicht so sicher, welche weltbewegenden Erkenntnisse ich da bis Januar gewinnen soll, die mir ermöglichen dort eine Prüfung abzulegen... ich bin gespannt.
Auf Herzebene: Ich musste feststellen, dass ich meine jugendlichen Egoismus zumindest soweit verloren habe, dass ich nun nicht mehr glaube, der einzige fühlende und denkende Mensch zu sein. Deswegen erscheinen in letzter Zeit häufiger Dinge nicht unbedingt mitteilenswert und ich reduziere mein Output ganz schön. Ein Prozess mit dem ich nicht ganz zufrieden sein kann, da er sich auch auf Lieder und Gedichte erstreckt, die nunmehr vielfach ungeschrieben bleiben. Oder aber unveröffentlicht. Ich versuche daran noch zu drehen und zu rütteln, aber am Ende kommt doch alles, wie es soll. Und wie es denn soll, darauf bin ich neugierig.
Die Mia ist inzwischen in Paris und muss auch nicht unter der Brücke schlafen, Claudi weilt im Norden Londons, Olli ist in Schottland, Susi grade aus New York zurück und Julia packt Koffer für Barcelona. Es scheint das akademische Jahr des großen WeitWegs zu sein und dass soviele in diesem Zeitraum gehen, stimmt mich positiv, denn das bedeutet, dass die Meisten wohl im nächsten Wintersemester wieder mit mir zusammen studieren. Großartig.
Sonst gibt es von der Studienfront ja eher ärgerliches zu hören: Sachsen will das Staatsexamen wieder einführen. Als wären die neuen Abschlüsse icht schon genug in Verruf, will man sie nun auch von offizieller Stelle nochmals abwerten. Dabei wäre es vielleicht nicht verkehrt das Geld lieber in die Verbesserung des neuen Systems zu stecken. Das hat nämlich tatsächlich Potenzial. Wahrscheinlich antizipiert Sachsen damit aber lediglich die anstehenden großen Kürzungen im Bildungsbereich, denn ohne Geld für Tutorien, Konsultationen und kleine Seminare wird es nix mit der Qualität im Bachelor und Master. Ich könnte mich aufregen! Natürlich vor allem, weil ich mich hier im neuen System abmühe... So ist das eben: Nie kann mans mir recht machen.
Mittwoch, Oktober 20, 2010
Nix.
Ich würde euch jetzt hier gerne einen großartigen Eintrag hinzimmern. Damit ihr auch so ein Ziehen in der Brust habt, wie ich. Aber ich weiß nicht wie.
Wir befinden uns in der zweiten Uni-Woche, ich bin (noch) nicht mit den Hausaufgaben hinterher, FSR-Arbeit schlaucht grad irgendwie und die Liebe... Ach, die Liebe! Das ist eine schwierige Kiste mal wieder. Ich weiß nicht, warum ich mir immer die seltsamsten Frauen aussuchen muss, aber anscheinend hab ich mal wieder den Jackpot geknackt und schlage mich jetzt mit allerhand fehlgesendeten Signalen herum.
Dabei hab ich ganz andere Sorgen. Die Kurse für Wales müssen gewählt werden, die Bewerbung fürs Wohnheim muss raus, die Kündigungsbestätigung für die Leipziger Wohnung ist immer noch nicht da, mein Winterrad muss in Schuss gebracht werden und die Literatur für nächste Woche nimmt bereits grausige Ausmaße an - der einzige Lichtblick ist vielleicht die übliche Kauflandinventur am Samstag. Das bringt immerhin die Finanzen wieder ein bisschen nach oben.
Es gibt noch ein paar Krisenherde die nach ausführlicherer Beschreibung verlangen. Ich hoffe,ich schaffe das Morgen.
Auf Herzebene sonst so? Man ist zum Glück geboren. Oder eben nicht. Manchmal denk ich, ich bins. Weil ich mir sicher bin, dass diese Welt mein größtes Glück ist.
Wir befinden uns in der zweiten Uni-Woche, ich bin (noch) nicht mit den Hausaufgaben hinterher, FSR-Arbeit schlaucht grad irgendwie und die Liebe... Ach, die Liebe! Das ist eine schwierige Kiste mal wieder. Ich weiß nicht, warum ich mir immer die seltsamsten Frauen aussuchen muss, aber anscheinend hab ich mal wieder den Jackpot geknackt und schlage mich jetzt mit allerhand fehlgesendeten Signalen herum.
Dabei hab ich ganz andere Sorgen. Die Kurse für Wales müssen gewählt werden, die Bewerbung fürs Wohnheim muss raus, die Kündigungsbestätigung für die Leipziger Wohnung ist immer noch nicht da, mein Winterrad muss in Schuss gebracht werden und die Literatur für nächste Woche nimmt bereits grausige Ausmaße an - der einzige Lichtblick ist vielleicht die übliche Kauflandinventur am Samstag. Das bringt immerhin die Finanzen wieder ein bisschen nach oben.
Es gibt noch ein paar Krisenherde die nach ausführlicherer Beschreibung verlangen. Ich hoffe,ich schaffe das Morgen.
Auf Herzebene sonst so? Man ist zum Glück geboren. Oder eben nicht. Manchmal denk ich, ich bins. Weil ich mir sicher bin, dass diese Welt mein größtes Glück ist.
Samstag, Oktober 02, 2010
"This could be a case for Mulder and Scully"
Meine restlichen Weisheitszähne wurden am Dienstag extrahiert. Jetzt sitze ich zu Hause, warte, dass die Fäden gezogen werden, glaube wieder so richtig an Literatur und Musik und wundersame Entdeckungen. Ich habe am Wochenende jemandem verziehen und dabei erst gemerkt, wie nachtragend ich tatsächlich bin. Man könnte also ohne Übertreibung sagen, dass die Dinge sich gerade etwas seltsam ausnehmen. Genaueres wenn ich von den Schmerzmitteln runter bin und wieder Messestadtboden unter den Füßen habe.
Montag, September 20, 2010
Your life has begun somewhere else
Am Salatregal von Kaufland:
"Du schneidest nicht gerne Gemüse und ich schmiere nicht gerne Schnitten - meinst du nicht auch, es ist Schicksal, das wir uns hier treffen?"
-
Ich bin auf dem Weg nach Weitweg, tue so, als hätte ich meine Taschen schon gepackt, als wäre alles schon gelaufen und ich hätte nichts zu verlieren, weil ich ohnehin nichts mitnehme. Und das ist so cool. Man glaubt gar nicht, wieviele Menschen auf eine völlig bekloppte Anmache eingehen... es ist faszinierend. Und es macht ungemein viel Spaß.
"Du schneidest nicht gerne Gemüse und ich schmiere nicht gerne Schnitten - meinst du nicht auch, es ist Schicksal, das wir uns hier treffen?"
-
Ich bin auf dem Weg nach Weitweg, tue so, als hätte ich meine Taschen schon gepackt, als wäre alles schon gelaufen und ich hätte nichts zu verlieren, weil ich ohnehin nichts mitnehme. Und das ist so cool. Man glaubt gar nicht, wieviele Menschen auf eine völlig bekloppte Anmache eingehen... es ist faszinierend. Und es macht ungemein viel Spaß.
Mittwoch, September 15, 2010
Und plötzlich kann man nicht mehr einfach so gehen
Ich bin heute zufällig auf deiner Pinnwand gelandet. Zufällig, weil du deinen Namen mal wieder geändert hast. Und dann hab ich mir aus Sentimentalität oder Nostalgie all das durchgelesen, was du da hingeschrieben hast. Habe in dem Gefühl gebadet, dich zu vermissen und gedacht "später vielleicht nochmal...", aber dann fiel mir ein, dass du das sehen kannst. Wie ich da auf deinem Profil rumgelungert habe. Ohne etwas zu sagen.
Das ging dann so nicht. Ich warf dir also zwei Sätze hin und dachte, vielleicht passiert gar nichts, alles wie immer - du schweigst und ich leide für zwei Wochen ein kleines bisschen mehr. So geht das jetzt schon eine Weile. Ich versuche, dich zu erreichen - na ja, nicht richtig, ich hake nicht nach, nur ein schwaches Echo von weit her, ich hab ja auch Angst, mehr Angst vor einem Ende, als vor vor dem dich vermissen - und du sagst nichts, dir kommt das Leben dazwischen.
Und jetzt antwortest du doch. Ich habe eine Mail, die mir sagt, dass du auf meine Pinnwand geschrieben hast. Und ich mag gar nicht hinsehen. Ich höre eine Crescendo in der Endlosschleife und warte, dass es vorbei geht. Weil es nicht vorbei sein darf. Diese Geschichte, die keine ist.
Das ging dann so nicht. Ich warf dir also zwei Sätze hin und dachte, vielleicht passiert gar nichts, alles wie immer - du schweigst und ich leide für zwei Wochen ein kleines bisschen mehr. So geht das jetzt schon eine Weile. Ich versuche, dich zu erreichen - na ja, nicht richtig, ich hake nicht nach, nur ein schwaches Echo von weit her, ich hab ja auch Angst, mehr Angst vor einem Ende, als vor vor dem dich vermissen - und du sagst nichts, dir kommt das Leben dazwischen.
Und jetzt antwortest du doch. Ich habe eine Mail, die mir sagt, dass du auf meine Pinnwand geschrieben hast. Und ich mag gar nicht hinsehen. Ich höre eine Crescendo in der Endlosschleife und warte, dass es vorbei geht. Weil es nicht vorbei sein darf. Diese Geschichte, die keine ist.
Samstag, September 11, 2010
Bangor - da, wo es warm ist...
Freitag, August 27, 2010
Da. Weg. Da. Weg. Und wieder da.
Seit zwei Tagen bin ich aus der sengenden Hitze Roms wieder zurück und mein Körper ist noch ganz high von 36°C, schwimmen und Stadtrumgerenne. Dementsprechend ist mein Bauchgefühl noch ein bisschen durcheinander und ruft beim Anblick der verbleibenden 6 Ferienwochen: Weg, weg, weg! Ich versuche nicht darauf zu hören. Weil es Zeit wäre auch mal wieder für länger anzukommen. Aber im gleichen Moment wird mir klar, dass das jetzt wohl so schnell nicht wieder gehen wird. Zu sehr bin ich vom Gefühl des stets-Zuhause durchdrungen.
Rom war großartig. Für einen Augenblick erlaubte ich mir die fantastische Träumerei des Auswanderns. In diese Sonnenglut, diesen übergroßen Stadtsommer voller geschichtsträchtigem Staub und halbkaputten Häusern. Für mich war es eine willkommene Verlängerung des Hochsommers, eine Woche Unerreichbarkeit ohne Uhr und Handy. Der Palatin, das Forum, die vatikanischen Museen, die spanische Treppe, der Trevi-Brunnen, die vielen Gärten und die ausgestorbenen Seitengassen lediglich Zugabe, nur aufprojiziert auf die Leinwand aus heiß und leuchtend.
undwiederwegundwiederwegundwiederwegwegwegundwiederwegundwieder....
Rom war großartig. Für einen Augenblick erlaubte ich mir die fantastische Träumerei des Auswanderns. In diese Sonnenglut, diesen übergroßen Stadtsommer voller geschichtsträchtigem Staub und halbkaputten Häusern. Für mich war es eine willkommene Verlängerung des Hochsommers, eine Woche Unerreichbarkeit ohne Uhr und Handy. Der Palatin, das Forum, die vatikanischen Museen, die spanische Treppe, der Trevi-Brunnen, die vielen Gärten und die ausgestorbenen Seitengassen lediglich Zugabe, nur aufprojiziert auf die Leinwand aus heiß und leuchtend.
undwiederwegundwiederwegundwiederwegwegwegundwiederwegundwieder....
Mittwoch, August 11, 2010
Keine Dummheiten zu machen, lohnt sich nicht
Ich bin also gestern Nachmittag nach Leipzig gefahren, habe den Polylux bei Stephan abgeliefert und angefangen Utopia von Sir Thomas More zu lesen. Dann wurde ich angerufen. Und wusste es mit Gewissheit. Dass auch die neue, bessere Version von mir brennt wie Zunder. Und dass ich das immer noch genieße.
Also bin ich ins GWZ gelaufen und wir haben uns Horrorfilme angeschaut. Erst zu viert, dann nur noch zu zweit. Als es dann um 4 war, stellten wir wie nebenbei fest, dass es sich nicht mehr lohnt, nach Hause zu gehen, begaben uns in die Horizontale - du auf dem Sofa und ich auf dem Boden - und warteten sehnsüchtig darauf, dass die Cafeteria öffnet und wieder Tag wird in diesem Sommer.
Inzwischen sind die Menschen hier zur Nachklausur angetreten, du verbringst die 90min mit einem weiteren Schlafversuch auf dem Sofa und ich denke mir, dass es vermutlich dumm war, herzukommen und dann auch noch so lange zu bleiben. Andererseits ist es vielleicht so, dass man sich mit der Realität abschrubben muss, wie mit einem Schwamm, damit man das Fantastische, das Rauschhafte des Lebens auf der Haut spüren kann.
Ich beginne meinem Gespür für Leichtsinnigkeiten und Risikoaktionen zu trauen. Das Schleudern, das Ziehen, das Hängenbleiben an Ecken und Türrahmen ermöglicht erst dieses Gefühl. Dass mein Leben ein wildes Tier ist und ich versuche, auf ihm zu reiten. Weil ich nicht ohne es kann.
Also bin ich ins GWZ gelaufen und wir haben uns Horrorfilme angeschaut. Erst zu viert, dann nur noch zu zweit. Als es dann um 4 war, stellten wir wie nebenbei fest, dass es sich nicht mehr lohnt, nach Hause zu gehen, begaben uns in die Horizontale - du auf dem Sofa und ich auf dem Boden - und warteten sehnsüchtig darauf, dass die Cafeteria öffnet und wieder Tag wird in diesem Sommer.
Inzwischen sind die Menschen hier zur Nachklausur angetreten, du verbringst die 90min mit einem weiteren Schlafversuch auf dem Sofa und ich denke mir, dass es vermutlich dumm war, herzukommen und dann auch noch so lange zu bleiben. Andererseits ist es vielleicht so, dass man sich mit der Realität abschrubben muss, wie mit einem Schwamm, damit man das Fantastische, das Rauschhafte des Lebens auf der Haut spüren kann.
Ich beginne meinem Gespür für Leichtsinnigkeiten und Risikoaktionen zu trauen. Das Schleudern, das Ziehen, das Hängenbleiben an Ecken und Türrahmen ermöglicht erst dieses Gefühl. Dass mein Leben ein wildes Tier ist und ich versuche, auf ihm zu reiten. Weil ich nicht ohne es kann.
Montag, August 09, 2010
Vinylknistern im Ohr
Du rufst an. Und ich frage mich, wie ich das jetzt schnell alles möglich machen kann. Den Polylux zurückgeben, meinen Vater willkommen heißen, das Eis ausgeben, Mia treffen, Tasche packen und dich sehen. Das nun auch noch. Also schiebe ich und erbettle Fahrzeuge, zucke die Schultern und klimpere etwas auf der Gitarre... es kommt nicht an. Wenn ich morgen Abend in Leipzig bin, bin ichs mit dir. Und weiß nicht, ob das so gut wär. Weiß vieles nicht.
Mittwoch, August 04, 2010
Lange, lange Reise
Ich bin zurück. Mit Blasen an den Füßen, einem echten Farmer's Tan und einer großen Zufriedenheit. Es war ein wunderbarer Weg, ein echtes Abenteuer und auch ein großer Erkenntnisgewinn:
Mit leichtem Gepäck bin ich nie unterwegs. Auch nicht, wenn ich den Rucksack absetze. Alles, womit ihr mich gezeichnet habt, ist immer dabei. Klebt auf meiner Haut, wie der Dreck an meinen Füßen. Und ich muss niemandem sagen, was und wer ich bin. Sie können es sehen, wenn sie mich anschauen, sie können es hören, wenn ich rede. Ich trage es mit Freude, denn zu Hause fängt innen an.
Mein Reisetagebuch gibt es demnächst hier. Und der nächste Trip kommt bestimmt.
Mit leichtem Gepäck bin ich nie unterwegs. Auch nicht, wenn ich den Rucksack absetze. Alles, womit ihr mich gezeichnet habt, ist immer dabei. Klebt auf meiner Haut, wie der Dreck an meinen Füßen. Und ich muss niemandem sagen, was und wer ich bin. Sie können es sehen, wenn sie mich anschauen, sie können es hören, wenn ich rede. Ich trage es mit Freude, denn zu Hause fängt innen an.
Mein Reisetagebuch gibt es demnächst hier. Und der nächste Trip kommt bestimmt.
Donnerstag, Juli 15, 2010
Letzte Prüfung - Variation
Wir haben gewettet. Mal wieder. Weil wir sonst nicht wissen, wie. Wie wir dem Wahnsinn Ausdruck verleihen sollen, den wir gerade erleben. Wir könnten uns schwarzweiß anmalen, uns 1 und 2 nennen und einen Mindestabstand von 30cm halten – es wäre trotzdem noch so bunt und heiß und intim wie jetzt. Meine Hand senkt sich auf die Türklinke – hinter mir zwei immer noch leicht amüsierte Prüfer und hinter der Tür höchstwahrscheinlich du.
Wir haben gewettet. Du hast gesagt, ich würde mich nicht trauen in diesem T-Shirt zur mündlichen Prüfung zu gehen. Ich hab nur gelacht. Du bist in den Laden, hast es gekauft und gesagt, wenn ich das anziehe, singst du nackt im GWZ. Und ich? Konnte nicht anders, als zu sagen okay.
Ich bin nervös. Aufgeregter als vor der Prüfung. Ob du wohl… Ja. Da stehst du, mit nichts bekleidet als einer Gitarre und deinem Lockengold. Du lachst mit jeder Bewegung und schaffst nur die erste Zeile: „Eins ist dunkel, Zwei ist hell…“, dann stockt dir der Atem, weil wir uns plötzlich so nah gegenüber stehen. Ich nehme dir die Gitarre ab – die stört jetzt nur noch – und drücke dich an die Wand. Du schnappst nach Luft, als der kalte Beton deine Haut berührt. Reicht es jetzt? Haben wir lange genug miteinander gespielt, um endlich… Die rechte Hand auf deiner Hüfte, die Linke in deinem Nacken, fällt es schwer das Atmen nicht zu vergessen. Unsere Blicke zucken unruhig zwischen Augen und Lippen hin und her – jetzt gleich! Unsere Körper sind bereits so dicht aneinander gedrängt, dass es mir schwer fällt zu sagen, wo ich anfange, wo du endest. Es ist, als würde eine Art Schwerkraft uns ineinander ziehen. Meine linke Hand gleitet über das Vibrieren deines Pulses und erreicht nach schier endlosen Augenblicken dein Kinn, um es nach oben zu schieben. Deine Lider flattern, schließen sich und du ziehst an mir, um uns zu einem zu verdichten. Dein Atem trifft auf meine Lippen, er ist flach und ein bisschen zittrig und erst jetzt ist auch für mich das Verzögern eine Unmöglichkeit geworden, muss ich dich… „Sie können jetzt wieder reinkommen, wir haben Ihr Ergebnis.“, deine Augen springen auf und öffnen sich zu Seen der Enttäuschung, ich seufze „Gleich“, sage ich und gehe zurück in den Prüfungsraum, lasse dich nackt und inmitten eines Strohfeuers zurück. Beim Schließen der Tür werfe ich einen kurzen Blick zurück: Du starrst ins Leere, eine Hand in deinem Haar, völlig überrascht von der Flutwelle, die da gerade über dir zusammengeschlagen ist. Und kurz bevor die Tür ins Schloss klickt höre ich noch, wie du einen der Russischstudenten nach einer Zigarette fragst.
--
Für alle, die sich erkundigen wollen: Ja, es war ein großartiger Traum und sowieso ist alles Liebe gerade.
Wir haben gewettet. Du hast gesagt, ich würde mich nicht trauen in diesem T-Shirt zur mündlichen Prüfung zu gehen. Ich hab nur gelacht. Du bist in den Laden, hast es gekauft und gesagt, wenn ich das anziehe, singst du nackt im GWZ. Und ich? Konnte nicht anders, als zu sagen okay.
Ich bin nervös. Aufgeregter als vor der Prüfung. Ob du wohl… Ja. Da stehst du, mit nichts bekleidet als einer Gitarre und deinem Lockengold. Du lachst mit jeder Bewegung und schaffst nur die erste Zeile: „Eins ist dunkel, Zwei ist hell…“, dann stockt dir der Atem, weil wir uns plötzlich so nah gegenüber stehen. Ich nehme dir die Gitarre ab – die stört jetzt nur noch – und drücke dich an die Wand. Du schnappst nach Luft, als der kalte Beton deine Haut berührt. Reicht es jetzt? Haben wir lange genug miteinander gespielt, um endlich… Die rechte Hand auf deiner Hüfte, die Linke in deinem Nacken, fällt es schwer das Atmen nicht zu vergessen. Unsere Blicke zucken unruhig zwischen Augen und Lippen hin und her – jetzt gleich! Unsere Körper sind bereits so dicht aneinander gedrängt, dass es mir schwer fällt zu sagen, wo ich anfange, wo du endest. Es ist, als würde eine Art Schwerkraft uns ineinander ziehen. Meine linke Hand gleitet über das Vibrieren deines Pulses und erreicht nach schier endlosen Augenblicken dein Kinn, um es nach oben zu schieben. Deine Lider flattern, schließen sich und du ziehst an mir, um uns zu einem zu verdichten. Dein Atem trifft auf meine Lippen, er ist flach und ein bisschen zittrig und erst jetzt ist auch für mich das Verzögern eine Unmöglichkeit geworden, muss ich dich… „Sie können jetzt wieder reinkommen, wir haben Ihr Ergebnis.“, deine Augen springen auf und öffnen sich zu Seen der Enttäuschung, ich seufze „Gleich“, sage ich und gehe zurück in den Prüfungsraum, lasse dich nackt und inmitten eines Strohfeuers zurück. Beim Schließen der Tür werfe ich einen kurzen Blick zurück: Du starrst ins Leere, eine Hand in deinem Haar, völlig überrascht von der Flutwelle, die da gerade über dir zusammengeschlagen ist. Und kurz bevor die Tür ins Schloss klickt höre ich noch, wie du einen der Russischstudenten nach einer Zigarette fragst.
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Für alle, die sich erkundigen wollen: Ja, es war ein großartiger Traum und sowieso ist alles Liebe gerade.
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Mittwoch, Juli 14, 2010
Fast soweit
Die letzte Prüfung ist am Montag auch gelaufen. Und nicht mal schlecht. Seit gestern bin ich in Dessau und heute habe ich das Zelt zur Probe aufgebaut, Schuhe gekauft und eine Tour gesucht. Eine vorläufige zumindest. Jetzt muss ich mal noch schnell den Lateinbeleg durchkloppen und ein Blatt beim akademischen Auslandsamt abgeben und dann kann ich endlichendlich los. Geplant war Montag, aber durch die Auslandsamtsache könnte sich das noch ein- zwei Tage verschieben. Ich freue mich darauf. Sehr. Diese Tour ist auch gleichzeitig mein Monatsprojekt: Loslassen. Ich hab schon einiges losgelassen und loslassen müssen in den letzten Wochen und ich werde aus diesem Juli herauskommen mit leichtem Gepäck und unbeschwert. Genaueres zur Route, wenn ich mir sicher bin.
Freitag, Juli 09, 2010
"Es war Zeit! Längst!"
Das habe ich vor mich hingebrabbelt, als ich gerade nach Hause fuhr. Nach der FSR-Sommerparty noch mit Frau Müller gegenseitig die Herzen ausgeschüttet und noch fast betrunken eine dumme SMS geschrieben. Auf die noch keine Antwort kam. Aber es war Zeit. Weil zum alles verstehen eben vielleicht doch gehört, dass man das Meiste weiß. Es wird schon alles wieder gut. Und für einen kurzen Moment, als mir Kristin die Hand auf die Schulter legte und sagte "vielleicht...", da war mein Leben so schön... schon allein dafür hat es sich gelohnt.
Sonntag, Juli 04, 2010
blind oder faul oder...
zu doof. So lautet mein persönliches c). Ich stricke noch an dieser Katastrophe. Freitagnacht jedenfalls wandelte ich durch verlassene Uniflure voll stickiger Luft, sah mein eigenes Spiegelbild in den Fenstern, wie ich da stehe vor der Tür, hinter der Licht brennt und eine rauchende Frau den Film angehalten hat, bis ich wiederkomme, und als ich mich so sah, konnte ich nicht anders, als diese Szene, diese göttliche, für einen winzigen Augenblick von außen an zu schauen: Sieht das auch für andere so aus? So unzweideutig? Filme, Wein, Zigaretten und später noch ein bisschen Tina Turner - das muss sein - das Universitätsgebäude gehört nur uns beiden und das vage Gefühl der Deplaziertheit macht alles nur besser. "Was mach ich hier?", frage ich mein Spiegelbild, ohne eine Antwort zu erwarten und gehe wieder rein, wieder zurück in dieses Leben, das Fahrt aufnimmt, während es auf den Punkt der Eskalation zuhält. Ich muss es ihr sagen. Wie gut es ist. Nichts zu wissen und alles zu verstehen.
Dienstag, Juni 22, 2010
Diffusion
Ich habe gestern mal schnell ein Buch gelesen über das sich-Auflösen. Das diffudieren ins Grenzenlose. Also in das, wofür wir ursprünglich gemacht worden sind. Und darin stand dieser Satz: "Wer keine Lust hat, kann gar nichts machen. Überhaupt nichts.", gestern schob ich diesen Satz noch vor mir her wie eine unverhofft gefundene Kostbarkeit. Etwas, das entgegen aller Illusion wahr ist. Heute aber sitze ich in einer Vorlesung, in der die Rücken der Studenten an den Stuhllehnen kleben bleiben vor Hitze und alles Leben diesen Zustand stumpfen Herumwaberns angenommen hat, in dem das Verlangen seinen Höchstpunkt erreicht, sich aber noch nichts bewegt, der Körper noch keine Konsequenzen gezogen hat aus dieser innerlichen Verschiebung. Die Frau neben mir spürt es auch, glaube ich. Sie spürt auch, dass in ihrem Gehirn elektrische Impulse hin und her geschossen werden, die nur noch nicht stark genug sind, die Hände einige Zentimeter nach links zu bewegen.
>Wer Lust hat, kann alles tun<, schießt es mir durch den Kopf. Sie schaut herüber, als hätte sie das gehört und sieht mir auf die Hände, dann in die Augen. >(noch) nicht< will sie vielleicht sagen, als sie mir ein Papierschiffchen rüberschiebt, auf dem mein Name steht. Hand und Hand berühren sich für einen flüchtigen Augenblick und bleiben dann so nah nebeneinander liegen, dass auch das Nicht-Berühren fühlbar wird. Jetzt müsste ein Erdbeben kommen. Ein ganz leichtes. Die Welt soll sagen: "Jetzt macht doch endlich!". Sie schaut mich wieder an, als warte sie auch. Mit Seismographenblick. Schaut auf unsere Hände. Oder nur auf die Uhr.
Wer Lust hat, kann alles tun. Warum entscheiden wir uns dafür, nichts zu tun?
>Wer Lust hat, kann alles tun<, schießt es mir durch den Kopf. Sie schaut herüber, als hätte sie das gehört und sieht mir auf die Hände, dann in die Augen. >(noch) nicht< will sie vielleicht sagen, als sie mir ein Papierschiffchen rüberschiebt, auf dem mein Name steht. Hand und Hand berühren sich für einen flüchtigen Augenblick und bleiben dann so nah nebeneinander liegen, dass auch das Nicht-Berühren fühlbar wird. Jetzt müsste ein Erdbeben kommen. Ein ganz leichtes. Die Welt soll sagen: "Jetzt macht doch endlich!". Sie schaut mich wieder an, als warte sie auch. Mit Seismographenblick. Schaut auf unsere Hände. Oder nur auf die Uhr.
Wer Lust hat, kann alles tun. Warum entscheiden wir uns dafür, nichts zu tun?
Sonntag, Juni 06, 2010
Living my life in all honesty
Bei sommerlichen Temperaturen in einem vollen Regionalzug zu sitzen und die Abendsonne direkt im Gesicht zu haben, ist in erster Linie eklig, klebrig und ziemlich unangenehm. Aber es hat auch was. Die erschöpften Mienen der Menschen, die unter allem Schweiß und allem Nichtmehrkönnen doch auch froh sind. Weil Sommer ist. Plötzlich. Das hat schon was.
Ich habe diesen wunderbar sonnigen Tag zum größten Teil im Dessauer Stadtpark zugebracht, wo heute der Anhaltische Kirchentag stattfand. Ich habe Vorträge gehört, auf einem Keyboard geklimpert, ein Theaterstück gesehen, gesungen, Kuchen gegessen und mich gefreut. Über die Sonne und das bunte Treiben.
Zu Hause erwartete mich eine ungepackte Tasche und ein Kaktus-Eis, sowie die Aussicht, bei diesen Temperaturen einen Zug besteigen zu müssen. Aber als wir in Leipzig einfuhren, war die Stadt plötzlich ein Leuchten und ich ging zu Fuß nach Hause und nahm nicht die klimatisierte Straßenbahn, die eine dünne Scheibe Glas zwischen mich und den Sommer geschoben hätte. Und dabei finde ich den Stadtsommer unsagbar schön. Es hat etwas zärtliches, wenn die Stadt daliegt, wie ein müdes Tier und ihre Bewohner die Häuser verlassen, voller Fürsorge für das Ungetüm, dem sie jetzt all ihr Lachen, ihr Tanzen, ihr Herzklopfen schenken. Stadtsommer, das sind asphaltwarme Nächte.
Und jetzt genieße ich einen der ersten richtig warmen Abende, indem ich auf dem Balkon sitze, lese, ein kühles Wasser trinke und die Beine hochlege. Es ist nämlich höchste Zeit mal wieder ein bisschen in den Himmel zu schauen und ein paar Tage lang nur für jetztundjetztundjetzt zu leben. In den vergangenen zwei Wochen war ich sehr mit meiner Bachelorarbeit beschäftigt, es war auf einmal nur noch wenig Zeit übrig, aber noch viel zu schreiben. Ich brachte jeden Tag viele Stunden in der Bibliothek zu und schrieb und schrieb. Am Ende ist sie doch noch rechtzeitig fertig geworden. Aber viel Spielraum ist nicht gewesen. Eher weniger als sonst.
Wie sehr mich diese 16 Tage gefordert haben, merke ich erst jetzt wirklich. Ich nehme mir vor, nächstes Mal früher anzufangen und ahne bereits, dass ich es wieder nicht schaffe. Aber es war wirklich kritisch. Vor allem emotional gesehen. Dieses Immer-auf-dem-Sprung sein und nochnichtfertig hat sehr an mir genagt. Umso größer war die Erleichterung, die Arbeit am Dienstag endlich einzureichen. Danach bin ich nach Hause gefahren und wusste nichts mit mir anzufangen. Ich musste ja nicht mehr schreiben. Oder korrekturlesen. Oder so. Also fing ich an, zu lesen. Von allem etwas. Vor wenigen Minuten habe ich die Stieg Larsson Trilogie beendet. "The Picture of Dorian Gray" ist so gut wie durch, Aristophanes' "Die Vögel" wird heute Abend noch beendet und ich habe auch wieder ein paar Kapitel in meinem geliebten "Spieltrieb" gelesen. Denn das mache ich im Juni: Lesen. Ich habe ein paar Bücher zu Hause, die ich gekauft hatte, um meine Englischleseliste ein bisschen aufzustocken und danach werde ich mich ein bisschen der Abteilung für Moderne Literatur in der Germanistik widmen. Ich freue mich drauf. Zwei Bücher pro Woche habe ich mir vorgenommen. Mal schauen, was da so bei rauskommt.
Und was habe ich nun eigentlich im Mai gemacht? Ich wollte ja eigentlich Guerilla Gardening ausprobieren. Aber ehe ichs so richtig bemerkt hatte, war schon der 8., ich hatte die BA-Arbeit am Bein und musste mir irgendwas überlegen, was weniger Zeit kostet. Hab ich auch. Ich habs mir in Münster überlegt auf diesem wundervollen Konzert: Mal nur die Wahrheit sagen. Einen Monat lang.
Ich bin nicht unbedingt eine notorische Lügnerin, aber vieles ist doch irgendwie einfacher, wenn man es nicht ganz so genau nimmt mit der Wahrheit: "Haben Sie schon mit der BA-Arbeit angefangen?", "Bist du sauer auf mich?", "Schläfst du schon?"... Ich habe mich also sehr genau kontrolliert und versucht, immer die Wahrheit zu sagen. Und das war gar nicht so einfach, wie ich es mir vielleicht zu Beginn noch vorstellte. Ganz routinemäßig - ohne darüber nachzudenken - waren viele Wahrheitsmodifikationen schon längst ausgesprochen, bevor ich es bemerkte. In der zweiten Woche habe ich dann angefangen, mich zu korrigieren, wo es ging. Es ist ein seltsames Gefühl für ein paar Wochen ohne Lügen zu leben. Nicht nur gut und befreiend, sondern kompliziert und demontierend. Die Wahrheit genauso unverkrampft und wenig verletzend zu formulieren, wie die vielen kleinen Alltagslügen, ist gar nicht so einfach. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Menschen plötzlich in meinem Kopf drin waren. Und da wollte ich sie ganz und gar nicht haben.
Bereichernd war es aber auf jeden Fall. Ich habe sehr deutlich erlebt, dass Wahrheit und Unwahrheit nicht durch klare Grenzen voneinander getrennt sind, sondern in einander verschwimmen. Häufig zumindest. Und ich überlege, ob ich das Projekt vielleicht ausbaue.
Vielleicht.
Ich habe diesen wunderbar sonnigen Tag zum größten Teil im Dessauer Stadtpark zugebracht, wo heute der Anhaltische Kirchentag stattfand. Ich habe Vorträge gehört, auf einem Keyboard geklimpert, ein Theaterstück gesehen, gesungen, Kuchen gegessen und mich gefreut. Über die Sonne und das bunte Treiben.
Zu Hause erwartete mich eine ungepackte Tasche und ein Kaktus-Eis, sowie die Aussicht, bei diesen Temperaturen einen Zug besteigen zu müssen. Aber als wir in Leipzig einfuhren, war die Stadt plötzlich ein Leuchten und ich ging zu Fuß nach Hause und nahm nicht die klimatisierte Straßenbahn, die eine dünne Scheibe Glas zwischen mich und den Sommer geschoben hätte. Und dabei finde ich den Stadtsommer unsagbar schön. Es hat etwas zärtliches, wenn die Stadt daliegt, wie ein müdes Tier und ihre Bewohner die Häuser verlassen, voller Fürsorge für das Ungetüm, dem sie jetzt all ihr Lachen, ihr Tanzen, ihr Herzklopfen schenken. Stadtsommer, das sind asphaltwarme Nächte.
Und jetzt genieße ich einen der ersten richtig warmen Abende, indem ich auf dem Balkon sitze, lese, ein kühles Wasser trinke und die Beine hochlege. Es ist nämlich höchste Zeit mal wieder ein bisschen in den Himmel zu schauen und ein paar Tage lang nur für jetztundjetztundjetzt zu leben. In den vergangenen zwei Wochen war ich sehr mit meiner Bachelorarbeit beschäftigt, es war auf einmal nur noch wenig Zeit übrig, aber noch viel zu schreiben. Ich brachte jeden Tag viele Stunden in der Bibliothek zu und schrieb und schrieb. Am Ende ist sie doch noch rechtzeitig fertig geworden. Aber viel Spielraum ist nicht gewesen. Eher weniger als sonst.
Wie sehr mich diese 16 Tage gefordert haben, merke ich erst jetzt wirklich. Ich nehme mir vor, nächstes Mal früher anzufangen und ahne bereits, dass ich es wieder nicht schaffe. Aber es war wirklich kritisch. Vor allem emotional gesehen. Dieses Immer-auf-dem-Sprung sein und nochnichtfertig hat sehr an mir genagt. Umso größer war die Erleichterung, die Arbeit am Dienstag endlich einzureichen. Danach bin ich nach Hause gefahren und wusste nichts mit mir anzufangen. Ich musste ja nicht mehr schreiben. Oder korrekturlesen. Oder so. Also fing ich an, zu lesen. Von allem etwas. Vor wenigen Minuten habe ich die Stieg Larsson Trilogie beendet. "The Picture of Dorian Gray" ist so gut wie durch, Aristophanes' "Die Vögel" wird heute Abend noch beendet und ich habe auch wieder ein paar Kapitel in meinem geliebten "Spieltrieb" gelesen. Denn das mache ich im Juni: Lesen. Ich habe ein paar Bücher zu Hause, die ich gekauft hatte, um meine Englischleseliste ein bisschen aufzustocken und danach werde ich mich ein bisschen der Abteilung für Moderne Literatur in der Germanistik widmen. Ich freue mich drauf. Zwei Bücher pro Woche habe ich mir vorgenommen. Mal schauen, was da so bei rauskommt.
Und was habe ich nun eigentlich im Mai gemacht? Ich wollte ja eigentlich Guerilla Gardening ausprobieren. Aber ehe ichs so richtig bemerkt hatte, war schon der 8., ich hatte die BA-Arbeit am Bein und musste mir irgendwas überlegen, was weniger Zeit kostet. Hab ich auch. Ich habs mir in Münster überlegt auf diesem wundervollen Konzert: Mal nur die Wahrheit sagen. Einen Monat lang.
Ich bin nicht unbedingt eine notorische Lügnerin, aber vieles ist doch irgendwie einfacher, wenn man es nicht ganz so genau nimmt mit der Wahrheit: "Haben Sie schon mit der BA-Arbeit angefangen?", "Bist du sauer auf mich?", "Schläfst du schon?"... Ich habe mich also sehr genau kontrolliert und versucht, immer die Wahrheit zu sagen. Und das war gar nicht so einfach, wie ich es mir vielleicht zu Beginn noch vorstellte. Ganz routinemäßig - ohne darüber nachzudenken - waren viele Wahrheitsmodifikationen schon längst ausgesprochen, bevor ich es bemerkte. In der zweiten Woche habe ich dann angefangen, mich zu korrigieren, wo es ging. Es ist ein seltsames Gefühl für ein paar Wochen ohne Lügen zu leben. Nicht nur gut und befreiend, sondern kompliziert und demontierend. Die Wahrheit genauso unverkrampft und wenig verletzend zu formulieren, wie die vielen kleinen Alltagslügen, ist gar nicht so einfach. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Menschen plötzlich in meinem Kopf drin waren. Und da wollte ich sie ganz und gar nicht haben.
Bereichernd war es aber auf jeden Fall. Ich habe sehr deutlich erlebt, dass Wahrheit und Unwahrheit nicht durch klare Grenzen voneinander getrennt sind, sondern in einander verschwimmen. Häufig zumindest. Und ich überlege, ob ich das Projekt vielleicht ausbaue.
Vielleicht.
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