Montag, Januar 24, 2011

"Du bist doch lesbisch, oder?"

Dieser Satz markierte für mich den Beginn eines wunderbaren Samstagabends. Er kam von Chris, der eigentlich in Berlin studiert und mit dem ich hier sicher ein bisschen die recht beschauliche Szene erkunden werde. Noch Samstagnacht versuchte ich auf Facebook eine kleine Coming-out-Welle in der Erasmusgruppe loszutreten, aber das ist wohl nicht recht gelungen, ich hätte da nämlich noch zumindest einen in Verdacht. Aber wir kennen uns ja alle erst eine Woche und das Semester ist ja doch noch ein paar Monate lang... da ergibt sich das dann vielleicht noch so.

Erst eine Woche hier. Das ist schwer zu glauben. Wir waren viel unterwegs. In der Stadt, in Pubs und Clubs, in der Umgebung, in der Uni - immer gibt es irgendwas zu sehen, immer eine Party oder irgendwas in der Art. Gestern war Karaoke im Partick's, am Samstag End of Exams Party in der Bar Uno und anschließend fröhliches abspacken im Rascals, das im oberen Stockwerk sehr gaylastig ist, am Freitag war Undergrad Party im Octagon, Donnerstag Abendbier im Patrick's, Mittwoch Dinner im Fat Cat und Dienstag war der bewusste Kennenlernabend. Es ist also abends immer was los. Aber auch tagsüber sind wir bisher immer recht beschäftigt gewesen. Ein Ausflug über die Brücke nach Menai, ein Spaziergang an der Küste, Teetreffen in den Halls... es nimmt kein Ende. Viele sind müde abends oder müssen auch mal aufs Geld schauen oder wollen schlicht mal alleine sein, aber sie sind trotzdem dabei, sie wissen, dass man Erstwochenerlebnisse nicht irgendwann später nachholen kann. Gespart und geschlafen werden muss später. Vorerst ist alles einfach nur jetzt.

Ich habe gerade meine erste Vorlesung hinter mir und kann mich noch nicht so recht mit dem 60-Minuten-Konzept anfreunden, aber das wird wohl auch noch werden. Sonst ist erfreulicherweise festzustellen, dass ich alle meine Veranstaltungen im gleichen Gebäude habe und nachdem ich es heute gefunden habe, muss ich wohl vorerst keine Räume mehr suchen. Und dast ist definitiv ein Vorteil, denn vom Schilderwald ist hier nichts zu sehen, zwar sind alle ganz freundlich und hilfsbereit, wenn man sie fragt, wenn aber niemand da ist, hat man Pech.

Ich würd gern noch dies und das erzählen, von hübschen Frauen ohne Internet und chaotischen Küchen... vielleicht später, vielleicht heute Abend. Jetzt muss ich grade mal ein bisschen Schlaf nachholen.

Mittwoch, Januar 19, 2011

Und unter deinen Schwingen rauscht das Meer

I think I'm in love already. Das war mein erster Gedanke, als ich Liverpool sah und das habe ich immer wieder gedacht, waehrend jemand vor dem Zugfesnter die Landschaft vorbeizog, als ich den Schluessel fuer mein Zimmer abholte, beim Einkaufen im Morrison's und dann im Bett, wo ich den Gespraechen meiner Nachbarn lauschte - ganz neugierig und fasziniert von allem.
Gestern war das Welcome meeting, wo die wichtigsten Informationen verteilt wurden und ich auch Antonia aus Leipzig wiedersah, die ich hier schon gar nicht mehr erwartet hatte, da sie per Mail nicht so richtig erreichbar war. Auch ein paar andere aus Deutschland waren da - aus Berlin, aus Mainz, aus irgendwo in BaWue und sonst vor allem Amerikaner, Italiener, aber auch Finnen, Spanier, Oesterreicher, Luxemburger, Franzosen, Kreolen, Polen - eine bunte Mischung. Nach dem Papierkram folgte direkt noch mehr Papierkram und am fruehen Nachmittag hatte ich auch schon 2 Module, einen Studentenausweis und Internet - kurz im Wohnheim die Fuesse hochgelegt und dann auf in die Bar Uno zum Kennenlernabend. Gluecklicherweise ohne Kennenlernspiele, dafuer aber mit kostenlosem Essen. Gegen 9 ist unser Tisch (Spanien, Polen, Finnland, Oesterreich, Deutschland) den Amerikanern ins Rascals gefolgt auf eine Wodka-Cola und ein Billarspiel. Als stark dezimierte Gruppe - nur die trinkfesten Finnen und Deutschen - schauten wir dann noch ins Patrick's, wo die Drinks billiger waren und schliesslich gingen wir - nunmehr zu viert - auf ein letztes Bier zurueck ins Rascals und unterhielten uns noch ein bisschen mit den Amerikanern.
Der anschliessende Spaziergang zum Wohnheim (15-20min zu Fuss vom Zentrum) verging mit Thea und Viljo wie im Flug - dabei hatte ich schon befuerchtet, alleine gehen zu muessen, nachdem sich Jesus und Patrizia, die wie ich in Arfon wohnen, sich bereits halb elf auf den Heimweg machten. Ich habe naemlich hier noch keine Musik dabei, sondern bin ganz Ohr fuer diese Stadt.
Shoppingmaessig bin ich in 3 Tagen schon ziemlich herumgekommen: Morrison's, Iceland, Aldi, M&S... wobei Iceland vor allem Tiefkuehlprodukte verkauft, was ziemlich cool ist, Aldi sich bis auf ein wirklich gutes und grosses Bierangebot sich nicht sehr vom deutschen Aldi abhebt und Morrison's preislich okay ist. Da gehen hier anscheinend alle einkaufen, denn staendig sehe ich Leute mit diesen Tueten... Mir persoenlich waere eine Mischung aus Iceland und Aldi am liebsten, aber Morrison's ist einfach naeher gelegen - einkaufen muss ich wahrscheinlich trotzdem jeden zweiten Tag, denn die Strecke ist zu weit und zu huegelig um grossartig was mitzunehmen.
Bangor steht mehr oder weniger unter dem Motto "Training am Berg". Das bietet zwar einerseits tolle Moeglichkeiten zum Konditionstraining, andererseits hat der morgendliche Weg in die Stadt auf den reifueberzogenen Strassen immer ein wenig Abfahrtsflair - und Wintersport is ja nun nicht so meins.
Die permanente Feuchtigkeit, die sich ueber Nacht in Reif verwandelt, kommt vom Meer - wo man hinblickt, ueberall ist Wasser: entweder der Menai Strait oder das Meer. Und so riecht es in Bangor auch: nach viel, viel Wasser und damit auch irgendwie nach Sommer. Danach sieht auch das lange Pier aus, auf dem wir heute waren, ueber uns die Moewen und unter uns das Wellenrauschen.
Es ist das uebliche Phaenomen: Die Neuheit von allem laesst die Tage irgendwie zu Wochen werden, immer ist man unterwegs, hat man zu tun, muss man auf etwas warten, immer ist man hellwach, immer todmuede.

Freitag, Januar 14, 2011

Adieu, Leipzig!

Es geht los, Freunde. Die Koffer noch ungepackt, die Flugtickets noch nicht ausgedruckt, geht es schon los. Die Wohnung ist aus meiner Verantwortung wieder in die des Vermieters übergeben, die Alkoholreste sind vernichtet, die Reisewünsche empfangen und die Leipziger allesamt verabschiedet. Es kann losgehen. Na ja, zumindest fast. Ein bisschen organisatorische Vorarbeit ist noch zu leisten, aber meine Schultern haben die Last des vorhernochschnell abgeworfen und das Gefühl beim Blick aus dem Zugfenster, hinter dem Leipzig langsam in die Ferne rückt, ist ein gutes, ein leichtes, mehr so wie ich mir das mal vorgestellt habe.

Einer detailreichen Dokumentation der Reise steht nichts im Weg: 4 Reisetagebücher, ein Blog und eine Digitalkamera stehen bereit, um eine ganze Menge Eindrücke einzufangen. Dabei schreibe ich für niemanden, schreibe ich für alle, ist nichts geheim, aber alles meins, kann ich nicht sagen, was miterlebt werden soll und was nur zwischen mir und Papier existiert. Ich werde schreiben, was da ist und was fehlt, werde an euch denken und Leipzig aus der Hand geben für dieses halbe Jahr und ich werde das tun, was ich so liebe: Ein Name sein und ein Woher und das Wohin und das Dahinter erst werden und selbst neu entdecken.

Mittwoch, Januar 12, 2011

is this it? is it?is this it? this is it...

In wenigen Stunden ist meine mündliche Prüfung, morgen Abend kleines Abschiedsbier, übermorgen wird die Leipziger Wohnung übergeben, Montag geht mein Flug. Ich sitze davor und hoffe, dass alles wird. Am Montag beantragte ich hektisch noch ein polizeiliches Führungszeugnis, jetzt hab ich meine Dozenten getriezt, mir noch ein Empfehlungsschreiben aus dem Ärmel zu schütteln, die Flugtickets müssen noch gekauft, ausgeliehene Bücher noch zurück gegeben werden. Fast soweit. Mietvertrag ausdrucken, Tasche packen - es wird mir ein bisschen viel grade. Die Hausarbeit, die ich noch durchprügeln wollte, bleibt angefangen liegen, muss bis zum Sommer warten. Ist jetzt nicht mehr wichtig. Fast weg. Fast nicht mehr hier.

Freitag, Dezember 31, 2010

ZwanzigZehn - Ein Jahr in Songs

Weil ich mich am Ende eines Jahres immer selbst nicht genau erinnern kann, was in den letzten 12 Monaten musikalisch so passiert ist, lese ich musikalische Jahresrückblicke sehr gern. Ich wollte aber gern auch mal selbst einen machen. Diesen.

Anfangen will ich mit Bands, die noch aus Vorjahresalben auskoppelten und zumeist auch auf Tour waren, um die Promotionmaschine weiter anzuheizen. Besonders eindrücklich waren mir da the Gossip, die auf deutschem Boden ja diverse Festivals bestritten haben und Ende des Jahres auch in Leipzig waren. Mein bisher liebstes Nebenprodukt: What's love got to do with it - das einzige legitime Cover. Finde ich.
Nicht zu unterschlagen ist auch die Fortsetzung von Lady Gagas Machtergreifung, da mich Alejandro selbst in den verlassensten Ecken der brandenburgischen Pampa beschallte. Ich und mein politisches Gewissen sind gerade jetzt nach der Abschaffung von "Don't ask, don't tell", sind gerade sehr pro-Gaga, aber weil Alejandro mir jetzt schon ein bisschen über ist, will ich euch lieber teilhaben lassen an der wunderbaren Akustikversion von Pokerface.
Und zu meiner großen Freude kann auch Shakira hier Platz finden, da sie in diesem Jahr für das Album Shewolf auf Tour war. Mich persönlich hat Did it again dieses Jahr irgendwie stetig begleitet und kam immer genau dann im Radio, wenn ich zuhörte, was wohl nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken ist, dass es in diesem Jahr einen Remix mit Kid Cudi gab. Nach einer kurzen Recherche muss ich sagen, dass Shakiras Liveperformance nicht an das großartige Video mit dem Bettgetanze rankommt.

Das soll an Altlasten aber genügen, schließlich gab es ZwanzigZehn auch ganz beeindruckende neue Musik. So zum Beispiel auf meinem ersten Konzert (*) in diesem Jahr, auf dem Bratze ihr neues Album "Korrektur nach unten" in die Wände des Absturz klopften. Ein kleiner Raum voller Menschen, Schweiß und laut und dazu mehr geschrien als gesungen "Die auswendigen Muster". Mitgebracht hatten Bratze Ira Atari & Rampue, die ich seitdem für Ausgehstimmung fest auf die Playlist gesetzt habe und weil ein Lied gar nicht genügt, muss ich zu Space Rocket auch noch Dance in the rain hier angeben.
Zum Mitklatschen regen auch die letzten Töne von Sia an. Für mich ein Quell schier unendlicher Freude, dass diese wunderbare Musikerin endlich einer größeren Menge an Hörern zuteil wird. Gerade weil eben auch Clap your hands oder Bring night nicht etwa untypisch sind, sondern ganz und gar von ihrem Stil durchdrungen. Ich warte darauf, endlich das Album in den Händen zu halten.
Ähnlich wie über Sias Airplay habe ich mich auch über die Veröffentlichung von Sara Bareilles' neuem Album gefreut, da sich das Vorgängeralbum sehr hartnäckig auf meinem MP3-Player hält und ich dessen bisher noch nicht müde geworden bin. King of Anything hat eine tolle Hookline, die mich schon ganz eingenommen hat und die ich sicher noch einen guten Teil von 2011 vor mich hin pfeifen werde.

So. Lieblingsalbum 2010? Von den Gehörten sind 3 ziemlich gleichauf. Da wäre zuerst "Bring mich nach Hause" von Wir sind Helden, das mich im Sturm erobert hat und mir immer noch besser gefällt von mal zu mal. Ein Lieblingslied mag ich gar nicht wählen, zu unterschiedlich ist das alles und zu gut. Hier poste ich Kreise, weil es der erste Song war, den ich von dem Album gehört habe.
Keine Liebe im ersten Moment war es mit "Das wird alles einmal dir gehören" von Herrenmagazin, obwohl ich die Band schon lange mag und mich in ihre Texte lesen. Nachdem ich mich aber 20 min im Zug lustlos durch das Album gespult hatte, begleitete mich Krieg hinaus in den Regen und vom Bahnhof nach Hause und dann hatte es mich gepackt. Leider konnte ich am 19.12. nicht aufs Konzert, aber mein Bruder hat mir die Setlist mitgebracht und ich bin wild entschlossen, Herrenmagazin in nicht allzu ferner Zukunft nochmal live zu sehen.
Das dritte Album schließlich ist "The Suburbs" von Arcade Fire. Denn schon als es im Radion vorgestellt und angespielt wurde, erwartete ich großes, als ich dann Rococo hörte, war ich schon süchtig, als Ready to Start kam nur noch ein willenloses Häufchen Verzückung.

Ich schaue auf meine Liste und weiß, das vieles unerwähnt blieb. Auch, was mich als Geniesoundtrack durch meine Bachelorarbeit getragen hat, auch wozu ich halb abwaschend, halb mit Wasser spritzend tanzte. Es bleibt nur ein Ausblick auf das kommende Jahr. Ich fiebere dem Erscheinen von Adeles Album 21 entgegen, die erste Auskopplung Rolling in the Deep kündigt schon an, was da an musikalischen Perlen wartet. Gespannt bin ich auch auf Born this Way von Lady Gaga und ob vielleicht mal was neues von Madonna kommt. Zeit wäre es ja.


* mein zweites Konzert war übrigens Im Konzerthaus Dortmund Get Well Soon und just aus diesem Konzert gibt es nun 6 Songs zum anhören und downloaden.

Dienstag, Dezember 28, 2010

Gipfelstürmer

Weihnachten ist gut überstanden und hier schneit es einfach fröhlich weiter. In meiner Twitter-Timeline lese ich etwas über Workout DVDs, Zirkeltraining und Schwimmhallenöffnungszeiten - Leute, ihr macht doch was verkehrt! Bei dem Schnee draußen hat man doch praktisch jeden Tag was zu tun! Schippen, Schieben, Streuen, Kehren, irgendwas findet sich immer. Nur gestern nicht. Da hat es ja erst abends wieder angefangen zu schneien. Und weil mein großer Bruder und ich also untätig zu Hause rumsaßen und eigentlich zwischen Weihnachten und Neujahr einen Tag ans Meer fahren wollten zum Strandlaufen und Gitarrespielen, machten wir uns gestern gegen halb Elf auf den Weg. Nicht etwa ans Meer. Bis dahin war es uns angesichts der Wetterlage doch etwas zu weit. Wir haben die Schuhe geschnürt und sind nach Schierke gefahren, um von dort mal eben schnell auf den Brocken raufzukraxeln.
Halb eins waren waren wir da und es schneite ganz leicht. Wir entschieden uns angesichts des bereits angebrochenen Tages für die kürzeste Strecke mit dem steilsten Anstieg: Den Hexenstieg. Der Pfad war bereits durch andere Wanderwütige plattgetrampelt, allerdings in einer Breite, die gerade für einen Wanderer geeignet war. Wir sind also immer hintereinander her und standen gelegentlich fast hüfthoch im Schnee, um entgegenkommenden Rodlern und Wanderern auszuweichen. Umweht von einer recht steifen, eisigen Brise erreichten wir den Gipfel, drehten eine Runde um das Brockenhochhaus, tranken einen Tee und stiefelten dann auch ziemlich zügig wieder bergab, wo die Temperaturen deutlich milder waren. Halb fünf waren wir wieder am Auto, ein bisschen nass und verfroren zwar, aber auch höchst zufrieden mit dem gelungenen Tagesausflug. Gut 500 Höhenmeter rauf und wieder runter in 4 Stunden, das fetzt einfach nur.

Ansonsten mache ich hier gerade noch einen Tag Pause. Was ich mir gar nicht leisten kann, da längst schon wieder die Uni nach mir ruft. Bestimmt hat irgendein weiser Mann mal gesagt: Man muss manchmal einfach schleifen lassen und hoffen, dass alles gut wird. In diesem Sinne: An die Arbeit! Morgen dann...

Freitag, Dezember 24, 2010

Noch 3 Stunden

bis zur ersten Christvesper. Vor- und Zwischenspiele sind rausgesucht, Register getestet und Lieder geübt. Nur Geschenke hab ich noch nicht eingepackt... wäre vielleicht bald mal Zeit...

Sonntag, Dezember 19, 2010

Life tells the best stories.

I could talk about moving house this weekend or the really really great snow out there, about how christmas is approaching and I am ready like never before or about how I am going to sleep on the floor of the living room tonight - but I will skip all this for what bothered me most this week emotionally: It seems like my favourite lesbian couple on tumblr has broken up. Couple on tumblr? They are (or were) a real life couple, but I only know about them through their tumblrs and even the possibility of them being separated breaks my heart a little. I used them as my daily fix of homo-couple-y sweetness. Where do I get that now? Shall I return to fanfiction, to Lip Service and rewatching Skins? There is no sufficient alternative (well maybe Skins, but I've seen it all. Thrice.). So what do I do? I pout like there is no tomorrow and hope they are both well whether they are still together or not.

tumblrs in question:
riana
hallie

Mittwoch, Dezember 15, 2010

Nicht enden wollen und unaufhörlich sein,
das Grenzenlose zur Heimat wählen,
dem Käfigvogel meine Flügel verleih'n
und leise bis unendlich zählen

wo Heute und Morgen sich ineinander verschlingen
und allerorten sichtbar ist,
wie ein fernes Flüstern über allen Dingen,
das dich stetig erinnert: Du bist.

Sonntag, November 28, 2010

Bangor, here I come


In meinem Kopf rauscht ein riesiges "Endlich" mit der Kraft Milliarden Schneeflocken zu tragen und erinnert mich daran, dass langer Atem sich auszahlt. In Leipzig stehen nämlich inzwischen die Zeichen auf Abschied. Regal leer, Kisten im Flur, Wohnzimmer gestrichen und endlich, endlich wieder ein Ziel in Sichtweite. Die Flugtickets sind gebucht, wichtige Verabredungen für Ende Dezember geplant, Hausarbeiten allgegenwärtig und - es wird auch Zeit! - erster Advent. Ich bin schon ganz in diesem Gefühl. Vielleicht weil ich schon im April Richtung Weihnachten vorgeprescht bin und mich dann doch noch etwas gedulden musste. Gerade sind Lebkuchen im Ofen, die selbstgebacken tatsächlich schmecken und mir persönlich viel lieber sind, als die aus dem Supermarkt. In mir summt es vor Vorfreude, es zieht mich hin zu Weihnachten, schon hinein in das neue Jahr, mein Herz hat nur ein "immer voran" im Blick, während ich hier den letzten Ballast abwerfe und Frieden mache. Jetzt erst geht es. Und geht doch nur mit Gedanken an diese gleißenden Tage im Juli. Dass das so lange dauert, hätte ich nie gedacht.

Ich fühle euch gerade sehr. Und ich kann nur hoffen, dass auch ihr freudestrahlend die Hand nach den ersten Schneeflocken ausstreckt, dass auch ihr euch in den kommenden Adventswochen hin und wieder dabei ertappt, überrascht zu sein und dankbar für dieses große Glück, das wir Leben nennen.

Dienstag, November 23, 2010

Wenn Bücher zu Gläsern werden

oder zu gläsernen Häusern und die Menschen darin sind Freunde oder tragen vielleicht sogar mein eigenes Herz in der Brust, dann bleibt das Steinewerfen nicht aus:

"In all my juvenile nights, my tossing and turning, my struggling with the narrative of reality and illusion and my desperation to define everything, I never expected that love would be this: An adventurous journey, undertaken seperately to no avail other than shaping our hearts to become matching puzzle pieces, which are never to become one, always lingering in the realm of painfully incomplete perfection."

Still with Oscar.

Dienstag, November 16, 2010

Oh, Oscar....

Im Buch stirbt ein Mann genau in dem Moment, da er allen Glauben an sich, Gott und die Welt verloren hat und in Leipzig hört es nicht mehr auf zu regnen.
Ich habe gerade "Oscar and Lucinda" fertig gelesen. Eine Geschichte, die sich nicht darum bemüht ihre scharfen Kanten abzuschleifen. Sie erspart dem Leser nicht das verzweifelte Hoffen und auch nicht die Vergeblichkeit eben dieser Hoffnung. Es ist die Erzählung von zwei wilden Kindern, zwei neuen Seelen, die unbeschadet sind und neugierig und die am Ende doch erdrückt werden, die sich ergeben müssen:

"She did not expect to be happy, [...] happiness snuck up on her like a poacher in the night. [...] She had not know she was happy, but it had been silently remarked on by others [...]"
"She could marry this man, she knew, and still be captain of her soul."

Und schon während ich dieses Buch durchblättere nach geeigneten Zitaten, weiß ich, dass sie hohl klingen. Zu kitschig für zwei so unprätentiöse Charaktere, zwei Spieler, die alles setzen, als sie längst gewonnen haben.
Es nimmt mich mit. Dass es auch unüberwindbares gibt. Dass manches nicht wird. "Es ist ungerecht, Ben!"

Derweil regnet es hier seit mehr als 20 Stunden ununterbrochen. Alles schwimmt und trieft. Hell wird es auch nicht mehr. Ein Wetter zum drinnenbleiben.

Dienstag, November 09, 2010

Die Wochen sind wie ein endlos langer Tag: Die Nacht dahinter reicht nicht aus,
um alle Tänze zu tanzen, alle Frauen zu küssen, alle Träume zu träumen, die du brauchst.

Montag, November 01, 2010

que sera sera

Das Winterrad ist fahrtüchtig, die Ersti-Woche gelaufen, die Kündigungsbestätigung lässt weiter auf sich warten, am Donnerstag kommt eine Professorin aus Wales und am Mittwoch kommt schon wieder eine neue Interessentin für den FSR vorbei. Wir haben plötzlich mächtig Zulauf. Darüber möchte ich mich aber nicht beschweren. Mehr Leute heißt ja auch weniger Arbeit für mich. Hoffentlich.
Und noch einen weiteren Grund zum Nicht-Beschweren bekam ich heute direkt geliefert, als ich mich kurz mit eben jener Interessierten unterhielt: Sollte sie auch sonst nichts für den FSR tun, so habe ich in Zukunt doch wenigstens während der Sitzung was zu gucken. Und das ist auf jeden Fall positiv.

Apropos gucken, was kommt: Die Kurswahl für Bangor gestaltet sich doch eine ganze Ecke komplizierter als erwartet. Irgendwie finde ich mich auf der Website noch nicht so wirklich zurecht. Deswegen werde ich die arme Frau aus Bangor am Donnerstag erstmal mit einer Frageliste bombardieren und hoffen, dass ich dann ein wenig schlauer bin. Zu hoffen bleibt auch, dass dieses Semester irgendwie gut ausgeht, denn obwohl ich bisher erst zwei Module besuche, bin ich voll und ganz ausgelastet. BiWi beginnt erst Ende November und ich bin mir nicht so sicher, welche weltbewegenden Erkenntnisse ich da bis Januar gewinnen soll, die mir ermöglichen dort eine Prüfung abzulegen... ich bin gespannt.

Auf Herzebene: Ich musste feststellen, dass ich meine jugendlichen Egoismus zumindest soweit verloren habe, dass ich nun nicht mehr glaube, der einzige fühlende und denkende Mensch zu sein. Deswegen erscheinen in letzter Zeit häufiger Dinge nicht unbedingt mitteilenswert und ich reduziere mein Output ganz schön. Ein Prozess mit dem ich nicht ganz zufrieden sein kann, da er sich auch auf Lieder und Gedichte erstreckt, die nunmehr vielfach ungeschrieben bleiben. Oder aber unveröffentlicht. Ich versuche daran noch zu drehen und zu rütteln, aber am Ende kommt doch alles, wie es soll. Und wie es denn soll, darauf bin ich neugierig.

Die Mia ist inzwischen in Paris und muss auch nicht unter der Brücke schlafen, Claudi weilt im Norden Londons, Olli ist in Schottland, Susi grade aus New York zurück und Julia packt Koffer für Barcelona. Es scheint das akademische Jahr des großen WeitWegs zu sein und dass soviele in diesem Zeitraum gehen, stimmt mich positiv, denn das bedeutet, dass die Meisten wohl im nächsten Wintersemester wieder mit mir zusammen studieren. Großartig.
Sonst gibt es von der Studienfront ja eher ärgerliches zu hören: Sachsen will das Staatsexamen wieder einführen. Als wären die neuen Abschlüsse icht schon genug in Verruf, will man sie nun auch von offizieller Stelle nochmals abwerten. Dabei wäre es vielleicht nicht verkehrt das Geld lieber in die Verbesserung des neuen Systems zu stecken. Das hat nämlich tatsächlich Potenzial. Wahrscheinlich antizipiert Sachsen damit aber lediglich die anstehenden großen Kürzungen im Bildungsbereich, denn ohne Geld für Tutorien, Konsultationen und kleine Seminare wird es nix mit der Qualität im Bachelor und Master. Ich könnte mich aufregen! Natürlich vor allem, weil ich mich hier im neuen System abmühe... So ist das eben: Nie kann mans mir recht machen.

Mittwoch, Oktober 20, 2010

Nix.

Ich würde euch jetzt hier gerne einen großartigen Eintrag hinzimmern. Damit ihr auch so ein Ziehen in der Brust habt, wie ich. Aber ich weiß nicht wie.

Wir befinden uns in der zweiten Uni-Woche, ich bin (noch) nicht mit den Hausaufgaben hinterher, FSR-Arbeit schlaucht grad irgendwie und die Liebe... Ach, die Liebe! Das ist eine schwierige Kiste mal wieder. Ich weiß nicht, warum ich mir immer die seltsamsten Frauen aussuchen muss, aber anscheinend hab ich mal wieder den Jackpot geknackt und schlage mich jetzt mit allerhand fehlgesendeten Signalen herum.
Dabei hab ich ganz andere Sorgen. Die Kurse für Wales müssen gewählt werden, die Bewerbung fürs Wohnheim muss raus, die Kündigungsbestätigung für die Leipziger Wohnung ist immer noch nicht da, mein Winterrad muss in Schuss gebracht werden und die Literatur für nächste Woche nimmt bereits grausige Ausmaße an - der einzige Lichtblick ist vielleicht die übliche Kauflandinventur am Samstag. Das bringt immerhin die Finanzen wieder ein bisschen nach oben.

Es gibt noch ein paar Krisenherde die nach ausführlicherer Beschreibung verlangen. Ich hoffe,ich schaffe das Morgen.

Auf Herzebene sonst so? Man ist zum Glück geboren. Oder eben nicht. Manchmal denk ich, ich bins. Weil ich mir sicher bin, dass diese Welt mein größtes Glück ist.

Samstag, Oktober 02, 2010

"This could be a case for Mulder and Scully"

Meine restlichen Weisheitszähne wurden am Dienstag extrahiert. Jetzt sitze ich zu Hause, warte, dass die Fäden gezogen werden, glaube wieder so richtig an Literatur und Musik und wundersame Entdeckungen. Ich habe am Wochenende jemandem verziehen und dabei erst gemerkt, wie nachtragend ich tatsächlich bin. Man könnte also ohne Übertreibung sagen, dass die Dinge sich gerade etwas seltsam ausnehmen. Genaueres wenn ich von den Schmerzmitteln runter bin und wieder Messestadtboden unter den Füßen habe.

Montag, September 20, 2010

Your life has begun somewhere else

Am Salatregal von Kaufland:
"Du schneidest nicht gerne Gemüse und ich schmiere nicht gerne Schnitten - meinst du nicht auch, es ist Schicksal, das wir uns hier treffen?"

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Ich bin auf dem Weg nach Weitweg, tue so, als hätte ich meine Taschen schon gepackt, als wäre alles schon gelaufen und ich hätte nichts zu verlieren, weil ich ohnehin nichts mitnehme. Und das ist so cool. Man glaubt gar nicht, wieviele Menschen auf eine völlig bekloppte Anmache eingehen... es ist faszinierend. Und es macht ungemein viel Spaß.

Mittwoch, September 15, 2010

Und plötzlich kann man nicht mehr einfach so gehen

Ich bin heute zufällig auf deiner Pinnwand gelandet. Zufällig, weil du deinen Namen mal wieder geändert hast. Und dann hab ich mir aus Sentimentalität oder Nostalgie all das durchgelesen, was du da hingeschrieben hast. Habe in dem Gefühl gebadet, dich zu vermissen und gedacht "später vielleicht nochmal...", aber dann fiel mir ein, dass du das sehen kannst. Wie ich da auf deinem Profil rumgelungert habe. Ohne etwas zu sagen.
Das ging dann so nicht. Ich warf dir also zwei Sätze hin und dachte, vielleicht passiert gar nichts, alles wie immer - du schweigst und ich leide für zwei Wochen ein kleines bisschen mehr. So geht das jetzt schon eine Weile. Ich versuche, dich zu erreichen - na ja, nicht richtig, ich hake nicht nach, nur ein schwaches Echo von weit her, ich hab ja auch Angst, mehr Angst vor einem Ende, als vor vor dem dich vermissen - und du sagst nichts, dir kommt das Leben dazwischen.
Und jetzt antwortest du doch. Ich habe eine Mail, die mir sagt, dass du auf meine Pinnwand geschrieben hast. Und ich mag gar nicht hinsehen. Ich höre eine Crescendo in der Endlosschleife und warte, dass es vorbei geht. Weil es nicht vorbei sein darf. Diese Geschichte, die keine ist.

Samstag, September 11, 2010

Bangor - da, wo es warm ist...

Ich vergleiche gerade Klimadiagramme, während im Hintergrund das Männerhalbfinale der US Open läuft und muss feststellen: Das könnte ganz nett werden in Wales.



Freitag, August 27, 2010

Da. Weg. Da. Weg. Und wieder da.

Seit zwei Tagen bin ich aus der sengenden Hitze Roms wieder zurück und mein Körper ist noch ganz high von 36°C, schwimmen und Stadtrumgerenne. Dementsprechend ist mein Bauchgefühl noch ein bisschen durcheinander und ruft beim Anblick der verbleibenden 6 Ferienwochen: Weg, weg, weg! Ich versuche nicht darauf zu hören. Weil es Zeit wäre auch mal wieder für länger anzukommen. Aber im gleichen Moment wird mir klar, dass das jetzt wohl so schnell nicht wieder gehen wird. Zu sehr bin ich vom Gefühl des stets-Zuhause durchdrungen.

Rom war großartig. Für einen Augenblick erlaubte ich mir die fantastische Träumerei des Auswanderns. In diese Sonnenglut, diesen übergroßen Stadtsommer voller geschichtsträchtigem Staub und halbkaputten Häusern. Für mich war es eine willkommene Verlängerung des Hochsommers, eine Woche Unerreichbarkeit ohne Uhr und Handy. Der Palatin, das Forum, die vatikanischen Museen, die spanische Treppe, der Trevi-Brunnen, die vielen Gärten und die ausgestorbenen Seitengassen lediglich Zugabe, nur aufprojiziert auf die Leinwand aus heiß und leuchtend.

undwiederwegundwiederwegundwiederwegwegwegundwiederwegundwieder....

Mittwoch, August 11, 2010

Keine Dummheiten zu machen, lohnt sich nicht

Ich bin also gestern Nachmittag nach Leipzig gefahren, habe den Polylux bei Stephan abgeliefert und angefangen Utopia von Sir Thomas More zu lesen. Dann wurde ich angerufen. Und wusste es mit Gewissheit. Dass auch die neue, bessere Version von mir brennt wie Zunder. Und dass ich das immer noch genieße.
Also bin ich ins GWZ gelaufen und wir haben uns Horrorfilme angeschaut. Erst zu viert, dann nur noch zu zweit. Als es dann um 4 war, stellten wir wie nebenbei fest, dass es sich nicht mehr lohnt, nach Hause zu gehen, begaben uns in die Horizontale - du auf dem Sofa und ich auf dem Boden - und warteten sehnsüchtig darauf, dass die Cafeteria öffnet und wieder Tag wird in diesem Sommer.
Inzwischen sind die Menschen hier zur Nachklausur angetreten, du verbringst die 90min mit einem weiteren Schlafversuch auf dem Sofa und ich denke mir, dass es vermutlich dumm war, herzukommen und dann auch noch so lange zu bleiben. Andererseits ist es vielleicht so, dass man sich mit der Realität abschrubben muss, wie mit einem Schwamm, damit man das Fantastische, das Rauschhafte des Lebens auf der Haut spüren kann.
Ich beginne meinem Gespür für Leichtsinnigkeiten und Risikoaktionen zu trauen. Das Schleudern, das Ziehen, das Hängenbleiben an Ecken und Türrahmen ermöglicht erst dieses Gefühl. Dass mein Leben ein wildes Tier ist und ich versuche, auf ihm zu reiten. Weil ich nicht ohne es kann.

Montag, August 09, 2010

Vinylknistern im Ohr

Du rufst an. Und ich frage mich, wie ich das jetzt schnell alles möglich machen kann. Den Polylux zurückgeben, meinen Vater willkommen heißen, das Eis ausgeben, Mia treffen, Tasche packen und dich sehen. Das nun auch noch. Also schiebe ich und erbettle Fahrzeuge, zucke die Schultern und klimpere etwas auf der Gitarre... es kommt nicht an. Wenn ich morgen Abend in Leipzig bin, bin ichs mit dir. Und weiß nicht, ob das so gut wär. Weiß vieles nicht.

Mittwoch, August 04, 2010

Lange, lange Reise

Ich bin zurück. Mit Blasen an den Füßen, einem echten Farmer's Tan und einer großen Zufriedenheit. Es war ein wunderbarer Weg, ein echtes Abenteuer und auch ein großer Erkenntnisgewinn:

Mit leichtem Gepäck bin ich nie unterwegs. Auch nicht, wenn ich den Rucksack absetze. Alles, womit ihr mich gezeichnet habt, ist immer dabei. Klebt auf meiner Haut, wie der Dreck an meinen Füßen. Und ich muss niemandem sagen, was und wer ich bin. Sie können es sehen, wenn sie mich anschauen, sie können es hören, wenn ich rede. Ich trage es mit Freude, denn zu Hause fängt innen an.

Mein Reisetagebuch gibt es demnächst hier. Und der nächste Trip kommt bestimmt.

Donnerstag, Juli 15, 2010

Letzte Prüfung - Variation

Wir haben gewettet. Mal wieder. Weil wir sonst nicht wissen, wie. Wie wir dem Wahnsinn Ausdruck verleihen sollen, den wir gerade erleben. Wir könnten uns schwarzweiß anmalen, uns 1 und 2 nennen und einen Mindestabstand von 30cm halten – es wäre trotzdem noch so bunt und heiß und intim wie jetzt. Meine Hand senkt sich auf die Türklinke – hinter mir zwei immer noch leicht amüsierte Prüfer und hinter der Tür höchstwahrscheinlich du.
Wir haben gewettet. Du hast gesagt, ich würde mich nicht trauen in diesem T-Shirt zur mündlichen Prüfung zu gehen. Ich hab nur gelacht. Du bist in den Laden, hast es gekauft und gesagt, wenn ich das anziehe, singst du nackt im GWZ. Und ich? Konnte nicht anders, als zu sagen okay.
Ich bin nervös. Aufgeregter als vor der Prüfung. Ob du wohl… Ja. Da stehst du, mit nichts bekleidet als einer Gitarre und deinem Lockengold. Du lachst mit jeder Bewegung und schaffst nur die erste Zeile: „Eins ist dunkel, Zwei ist hell…“, dann stockt dir der Atem, weil wir uns plötzlich so nah gegenüber stehen. Ich nehme dir die Gitarre ab – die stört jetzt nur noch – und drücke dich an die Wand. Du schnappst nach Luft, als der kalte Beton deine Haut berührt. Reicht es jetzt? Haben wir lange genug miteinander gespielt, um endlich… Die rechte Hand auf deiner Hüfte, die Linke in deinem Nacken, fällt es schwer das Atmen nicht zu vergessen. Unsere Blicke zucken unruhig zwischen Augen und Lippen hin und her – jetzt gleich! Unsere Körper sind bereits so dicht aneinander gedrängt, dass es mir schwer fällt zu sagen, wo ich anfange, wo du endest. Es ist, als würde eine Art Schwerkraft uns ineinander ziehen. Meine linke Hand gleitet über das Vibrieren deines Pulses und erreicht nach schier endlosen Augenblicken dein Kinn, um es nach oben zu schieben. Deine Lider flattern, schließen sich und du ziehst an mir, um uns zu einem zu verdichten. Dein Atem trifft auf meine Lippen, er ist flach und ein bisschen zittrig und erst jetzt ist auch für mich das Verzögern eine Unmöglichkeit geworden, muss ich dich… „Sie können jetzt wieder reinkommen, wir haben Ihr Ergebnis.“, deine Augen springen auf und öffnen sich zu Seen der Enttäuschung, ich seufze „Gleich“, sage ich und gehe zurück in den Prüfungsraum, lasse dich nackt und inmitten eines Strohfeuers zurück. Beim Schließen der Tür werfe ich einen kurzen Blick zurück: Du starrst ins Leere, eine Hand in deinem Haar, völlig überrascht von der Flutwelle, die da gerade über dir zusammengeschlagen ist. Und kurz bevor die Tür ins Schloss klickt höre ich noch, wie du einen der Russischstudenten nach einer Zigarette fragst.

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Für alle, die sich erkundigen wollen: Ja, es war ein großartiger Traum und sowieso ist alles Liebe gerade.

Mittwoch, Juli 14, 2010

Fast soweit

Die letzte Prüfung ist am Montag auch gelaufen. Und nicht mal schlecht. Seit gestern bin ich in Dessau und heute habe ich das Zelt zur Probe aufgebaut, Schuhe gekauft und eine Tour gesucht. Eine vorläufige zumindest. Jetzt muss ich mal noch schnell den Lateinbeleg durchkloppen und ein Blatt beim akademischen Auslandsamt abgeben und dann kann ich endlichendlich los. Geplant war Montag, aber durch die Auslandsamtsache könnte sich das noch ein- zwei Tage verschieben. Ich freue mich darauf. Sehr. Diese Tour ist auch gleichzeitig mein Monatsprojekt: Loslassen. Ich hab schon einiges losgelassen und loslassen müssen in den letzten Wochen und ich werde aus diesem Juli herauskommen mit leichtem Gepäck und unbeschwert. Genaueres zur Route, wenn ich mir sicher bin.

Freitag, Juli 09, 2010

"Es war Zeit! Längst!"

Das habe ich vor mich hingebrabbelt, als ich gerade nach Hause fuhr. Nach der FSR-Sommerparty noch mit Frau Müller gegenseitig die Herzen ausgeschüttet und noch fast betrunken eine dumme SMS geschrieben. Auf die noch keine Antwort kam. Aber es war Zeit. Weil zum alles verstehen eben vielleicht doch gehört, dass man das Meiste weiß. Es wird schon alles wieder gut. Und für einen kurzen Moment, als mir Kristin die Hand auf die Schulter legte und sagte "vielleicht...", da war mein Leben so schön... schon allein dafür hat es sich gelohnt.

Sonntag, Juli 04, 2010

blind oder faul oder...

zu doof. So lautet mein persönliches c). Ich stricke noch an dieser Katastrophe. Freitagnacht jedenfalls wandelte ich durch verlassene Uniflure voll stickiger Luft, sah mein eigenes Spiegelbild in den Fenstern, wie ich da stehe vor der Tür, hinter der Licht brennt und eine rauchende Frau den Film angehalten hat, bis ich wiederkomme, und als ich mich so sah, konnte ich nicht anders, als diese Szene, diese göttliche, für einen winzigen Augenblick von außen an zu schauen: Sieht das auch für andere so aus? So unzweideutig? Filme, Wein, Zigaretten und später noch ein bisschen Tina Turner - das muss sein - das Universitätsgebäude gehört nur uns beiden und das vage Gefühl der Deplaziertheit macht alles nur besser. "Was mach ich hier?", frage ich mein Spiegelbild, ohne eine Antwort zu erwarten und gehe wieder rein, wieder zurück in dieses Leben, das Fahrt aufnimmt, während es auf den Punkt der Eskalation zuhält. Ich muss es ihr sagen. Wie gut es ist. Nichts zu wissen und alles zu verstehen.

Dienstag, Juni 22, 2010

Diffusion

Ich habe gestern mal schnell ein Buch gelesen über das sich-Auflösen. Das diffudieren ins Grenzenlose. Also in das, wofür wir ursprünglich gemacht worden sind. Und darin stand dieser Satz: "Wer keine Lust hat, kann gar nichts machen. Überhaupt nichts.", gestern schob ich diesen Satz noch vor mir her wie eine unverhofft gefundene Kostbarkeit. Etwas, das entgegen aller Illusion wahr ist. Heute aber sitze ich in einer Vorlesung, in der die Rücken der Studenten an den Stuhllehnen kleben bleiben vor Hitze und alles Leben diesen Zustand stumpfen Herumwaberns angenommen hat, in dem das Verlangen seinen Höchstpunkt erreicht, sich aber noch nichts bewegt, der Körper noch keine Konsequenzen gezogen hat aus dieser innerlichen Verschiebung. Die Frau neben mir spürt es auch, glaube ich. Sie spürt auch, dass in ihrem Gehirn elektrische Impulse hin und her geschossen werden, die nur noch nicht stark genug sind, die Hände einige Zentimeter nach links zu bewegen.
>Wer Lust hat, kann alles tun<, schießt es mir durch den Kopf. Sie schaut herüber, als hätte sie das gehört und sieht mir auf die Hände, dann in die Augen. >(noch) nicht< will sie vielleicht sagen, als sie mir ein Papierschiffchen rüberschiebt, auf dem mein Name steht. Hand und Hand berühren sich für einen flüchtigen Augenblick und bleiben dann so nah nebeneinander liegen, dass auch das Nicht-Berühren fühlbar wird. Jetzt müsste ein Erdbeben kommen. Ein ganz leichtes. Die Welt soll sagen: "Jetzt macht doch endlich!". Sie schaut mich wieder an, als warte sie auch. Mit Seismographenblick. Schaut auf unsere Hände. Oder nur auf die Uhr.
Wer Lust hat, kann alles tun. Warum entscheiden wir uns dafür, nichts zu tun?

Sonntag, Juni 06, 2010

Living my life in all honesty

Bei sommerlichen Temperaturen in einem vollen Regionalzug zu sitzen und die Abendsonne direkt im Gesicht zu haben, ist in erster Linie eklig, klebrig und ziemlich unangenehm. Aber es hat auch was. Die erschöpften Mienen der Menschen, die unter allem Schweiß und allem Nichtmehrkönnen doch auch froh sind. Weil Sommer ist. Plötzlich. Das hat schon was.

Ich habe diesen wunderbar sonnigen Tag zum größten Teil im Dessauer Stadtpark zugebracht, wo heute der Anhaltische Kirchentag stattfand. Ich habe Vorträge gehört, auf einem Keyboard geklimpert, ein Theaterstück gesehen, gesungen, Kuchen gegessen und mich gefreut. Über die Sonne und das bunte Treiben.
Zu Hause erwartete mich eine ungepackte Tasche und ein Kaktus-Eis, sowie die Aussicht, bei diesen Temperaturen einen Zug besteigen zu müssen. Aber als wir in Leipzig einfuhren, war die Stadt plötzlich ein Leuchten und ich ging zu Fuß nach Hause und nahm nicht die klimatisierte Straßenbahn, die eine dünne Scheibe Glas zwischen mich und den Sommer geschoben hätte. Und dabei finde ich den Stadtsommer unsagbar schön. Es hat etwas zärtliches, wenn die Stadt daliegt, wie ein müdes Tier und ihre Bewohner die Häuser verlassen, voller Fürsorge für das Ungetüm, dem sie jetzt all ihr Lachen, ihr Tanzen, ihr Herzklopfen schenken. Stadtsommer, das sind asphaltwarme Nächte.

Und jetzt genieße ich einen der ersten richtig warmen Abende, indem ich auf dem Balkon sitze, lese, ein kühles Wasser trinke und die Beine hochlege. Es ist nämlich höchste Zeit mal wieder ein bisschen in den Himmel zu schauen und ein paar Tage lang nur für jetztundjetztundjetzt zu leben. In den vergangenen zwei Wochen war ich sehr mit meiner Bachelorarbeit beschäftigt, es war auf einmal nur noch wenig Zeit übrig, aber noch viel zu schreiben. Ich brachte jeden Tag viele Stunden in der Bibliothek zu und schrieb und schrieb. Am Ende ist sie doch noch rechtzeitig fertig geworden. Aber viel Spielraum ist nicht gewesen. Eher weniger als sonst.
Wie sehr mich diese 16 Tage gefordert haben, merke ich erst jetzt wirklich. Ich nehme mir vor, nächstes Mal früher anzufangen und ahne bereits, dass ich es wieder nicht schaffe. Aber es war wirklich kritisch. Vor allem emotional gesehen. Dieses Immer-auf-dem-Sprung sein und nochnichtfertig hat sehr an mir genagt. Umso größer war die Erleichterung, die Arbeit am Dienstag endlich einzureichen. Danach bin ich nach Hause gefahren und wusste nichts mit mir anzufangen. Ich musste ja nicht mehr schreiben. Oder korrekturlesen. Oder so. Also fing ich an, zu lesen. Von allem etwas. Vor wenigen Minuten habe ich die Stieg Larsson Trilogie beendet. "The Picture of Dorian Gray" ist so gut wie durch, Aristophanes' "Die Vögel" wird heute Abend noch beendet und ich habe auch wieder ein paar Kapitel in meinem geliebten "Spieltrieb" gelesen. Denn das mache ich im Juni: Lesen. Ich habe ein paar Bücher zu Hause, die ich gekauft hatte, um meine Englischleseliste ein bisschen aufzustocken und danach werde ich mich ein bisschen der Abteilung für Moderne Literatur in der Germanistik widmen. Ich freue mich drauf. Zwei Bücher pro Woche habe ich mir vorgenommen. Mal schauen, was da so bei rauskommt.

Und was habe ich nun eigentlich im Mai gemacht? Ich wollte ja eigentlich Guerilla Gardening ausprobieren. Aber ehe ichs so richtig bemerkt hatte, war schon der 8., ich hatte die BA-Arbeit am Bein und musste mir irgendwas überlegen, was weniger Zeit kostet. Hab ich auch. Ich habs mir in Münster überlegt auf diesem wundervollen Konzert: Mal nur die Wahrheit sagen. Einen Monat lang.
Ich bin nicht unbedingt eine notorische Lügnerin, aber vieles ist doch irgendwie einfacher, wenn man es nicht ganz so genau nimmt mit der Wahrheit: "Haben Sie schon mit der BA-Arbeit angefangen?", "Bist du sauer auf mich?", "Schläfst du schon?"... Ich habe mich also sehr genau kontrolliert und versucht, immer die Wahrheit zu sagen. Und das war gar nicht so einfach, wie ich es mir vielleicht zu Beginn noch vorstellte. Ganz routinemäßig - ohne darüber nachzudenken - waren viele Wahrheitsmodifikationen schon längst ausgesprochen, bevor ich es bemerkte. In der zweiten Woche habe ich dann angefangen, mich zu korrigieren, wo es ging. Es ist ein seltsames Gefühl für ein paar Wochen ohne Lügen zu leben. Nicht nur gut und befreiend, sondern kompliziert und demontierend. Die Wahrheit genauso unverkrampft und wenig verletzend zu formulieren, wie die vielen kleinen Alltagslügen, ist gar nicht so einfach. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Menschen plötzlich in meinem Kopf drin waren. Und da wollte ich sie ganz und gar nicht haben.
Bereichernd war es aber auf jeden Fall. Ich habe sehr deutlich erlebt, dass Wahrheit und Unwahrheit nicht durch klare Grenzen voneinander getrennt sind, sondern in einander verschwimmen. Häufig zumindest. Und ich überlege, ob ich das Projekt vielleicht ausbaue.
Vielleicht.

Samstag, Mai 15, 2010

My path is set.

In circles.

Je länger ich lebe, desto bewusster wird mir meine eigene Schizophrenie in allem DenkenFühlenHandeln. Das ist ein dringendes, ein schmerzendes Problem, das ich dennoch nicht behandeln, nicht klären, lieber aufschieben möchte. Ihr kennt das vielleicht selbst?
"Der Kopf sagt nein, doch die Füße wissen's besser
und das Herz sagt 'vielleicht morgen' und meint gestern"
Die Schwierigkeit ist vielleicht, dass man in Debatten mit sich selbst nie gewinnen kann. Nur gewinnen kann. Immer nur gewinnen. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob sich das dann noch lohnt.

Wo ist der Beweis?, frage ich und weiß, dass es diese Frage ist.

Freitag, Mai 07, 2010

Warum schlaft ihr denn?!

Ich bin gerade aus dem Bad gekommen und bin froh, dass ich in 2 Stunden auch schon los in Richtung Seminar gehen kann... Schlafen hat keinen Sinn mehr, der Abend, der seit gerade eben erst vorüber ist, war leuchtend schön und kalt und glitzernd und scharf. Ich bin sehr froh, hier zu sein und mit euch zu sein und Leipzig gewählt zu haben unter allen Sternen.
Vor wenigen Stunden habe ich experimentell kochend eine vegane Pizza mit fake-Fleisch und fake-Käse fabriziert, dann Long Island Ice Tea ausgeschenkt und schließlich Wahrheit oder Pflicht gespielt. Jetzt bin sehr fertig, aber gleichzeitig auf einem unglaublichen Stimmungshoch, das ich nicht gegen Schlaf eintauschen möchte. Auf der Fahrt nach Münster werde ich ein bisschen die Augen schließen. Einfach so. Glücklich.

Montag, Mai 03, 2010

So what now?

Ich sitze im Wohnzimmer. Die Beleuchtung ist indirekt. Im Hintergrund läuft bewusstseinserweiternde Indiemusik. Maria und Marcel laufen durch die Wohnung, als gelte es, eine bestimmte Entfernung zurückzulegen. Und mein Herz stößt plötzlich bei jeder Bewegung gegen meinen Brustkorb. Sophie würde sagen, das ist nur der Kaffee und ich würde nicht sagen, dass meine Hände nur deshalb so zittern, weil es mir so schwer fällt, nicht nach ihren zu greifen. Alternativ würde ich auch zu Drogen, Tanzen, Drinks, Singen oder Sex nicht nein sagen. Lasse das Wort 'Sehnsucht' über meinte Zunge gleiten und weiß, dass ich es in diesem Moment bin. Süchtig nach Sucht. Nach Rausch. "Mehrmehrmehr!" schreit das volleyballgroße Pulsieren, das sich durch Faustschläge und Hüpfen nicht abstellen lässt. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Schiebe die Frau vor mir beiseite, um sie nicht in einem Augenblick der Unbedachtheit niederzubrennen. Wo ich sie anfasse, leuchtet ihre Haut rot auf - "versengt" denke ich. Und muss laufen, muss weg, muss in Bewegung sein, um mir einreden zu können, schon hinter der nächsten Ecke könnte jemand, könnte etwas sein, dem ich all das antun kann, was meine vier Wände sprengen würde. Feuerfest.
Die Installation, die sie hier sehen, heißt: Vergeblichkeit. Ich habe Tonnen, habe tausende Kubikmeter dessen in den Händen, was ich als einziges so richtig gut kann. Und muss es alles alleine mit mir herumtragen, weil eure Beine schon brechen, wenn ich es euch nur zeige.
Ich brenne, ich brenne und leuchte nicht und heize nicht. Ich brenne. Vergeblich.

Freitag, April 30, 2010

Ich hab vom Sommer geträumt

Heute Nacht. Wie er in diese vier Wände kommt und dort bleibt, weil jemand den Griff gefunden hat, um den Süden nach Norden zu ziehen. Und jetzt sitze ich auf dem Balkon wartend, dass es Zeit wird zur Uni zu fahren, und es riecht nach Sommer. Die zwei Elstern auf der Birke wissen es auch, sie flüstern es sich zu in dem Sekundenbruchteil in dem sich ihre Flügel streifen. Alles ist weich und warm und grün und unbegreiflich schön.
Ich träume oft von dieser Wohnung. Manchmal bekommt sie einen größeren Flur oder noch ein Zimmer dazu, aber es ist doch diese Wohnung. Und immer bin ich danach zufrieden mit der Welt und glücklich einfach so.
Ich hab vom Sommer geträumt. Und ihr?

Mittwoch, April 21, 2010

Wo man anfasst

Der gestrige Abend war toll. Sehr toll.

Und jetzt habe ich gerade das gefunden:

Ich weiß, es würde ihm hier gefallen. Das Grau. Und Gold. Das Geschrei der Vögel, die mit Schallwellen alles noch einmal streicheln, bevor sie gehen, sie ziehen. Sie ziehen an mir und kriegen mich doch nicht weg. Er würde es lieben hier, wo der Wind deine Haare zerzaust und Ideen hineinhängt vom Fliegen. Ein Bild hinter deinen Lidern aus grün und blau, das fände er interessant. Wenn er käme, nähme er dich bei der Hand mit in ein Café, an einen See und du müsstest ihm erzählen, wie du ihn heimlich nennst, wenn du seinen Namen auf Wolken schreibst. Ich weiß es. Er würde bleiben, oder würd doch bleiben wollen, während draußen jemand die Welt vorbeizieht und seine gepackten Koffer. Auf und davon.
Ein Geheimnis bleibt nur dieses eine: Wo man anfasst. Um den Süden zu ziehen. Nach Norden.

Dienstag, April 20, 2010

Le proche

Manchmal habe ich Wörter fremder Sprachen im Kopf über Stunden und Tage, ohne zu wissen, was sie bedeuten. Vor meinem Graecum zum Beispiel war es Kataklysma(Sintflut). Eine Sintflut, die ich von der Arche aus betrachten konnte, als ich endlich das Zertifikat in den Händen hielt. Heute ist es "proche". Ich habe es eben nachgeschlagen und beschlossen, dass ich damit "Die Zukunft" meine. [Alle Romanisten und sonstige Leute, die Französisch können, mögen mich an dieser Stelle nicht schlagen, wenn das konnotativ so nicht drin ist]
Die Zukunft also. Sieht gut aus. Irgendwie. Diese Zahl, diese Zweiundzwanzig gefällt mir. Alles andere wird sich fügen. Ist ja noch immer so gewesen.

Erste Stimmen zum Veganismus: Die ersten 2 Tage waren schwierig ohne Zigaretten und mit der Umstellung auf mehr selbst kochen. Aber dann - Veganismus ist wirklich keine Hürde. In vielen Dingen sind zwar tierische Produkte drin, aber auch die kann man ganz gut umgehen. Man wird nur ein wenig unsozial. Plötzlich ist man schwierig beim Kochabend und anderswo. Aber meine Leute hier machen das sehr gut und ich musste mir bisher noch nicht selbst etwas zu essen mitbringen.
Sehr auffällig: Nach ein paar Tagen entwickelt man einen gewissen Ekel nicht nur gegen Fleisch, sondern auch gegen Ei, Milch und Milchprodukte. Ich weiß noch nicht, wie ich damit in Zukunft umgehe.

In diesem Moment bin ich gerade sehr glücklich. Die Sonne scheint, ich werde heute Abend mit netten Menschen im Park sitzen und die kommenden 12 Monate halten einiges an Spannung bereit. Also rauf auf die Achterbahn und *hui*.

Dienstag, April 13, 2010

Ein Tag wie eine Tracht Prügel

Heute war ein richtig wechselhafter Tag. Heute Morgen die ganze Welt schlecht und das Leben fies und öde, in der spontan besuchten Germanistikvorlesung endlich einen griffigen Ansatz für die Bachelorarbeit gefunden, zu Hause beim Rennradreifenwechsel 2 Schläuche zerschossen und dann diese unglaublich tolle, Glückshormone ausschüttende Mail gelesen: Sie wurden für ein Auslandssemester an der University of Bangor ausgewählt! YES!!

Ich bin gerade sehrsehrsehr glücklich, gehe morgen direkt zu meiner betreuenden Dozentin in die Sprechstunde, um den Platz anzunehmen und ihr irgendwas über den Produktionsverlauf meiner BA-Arbeit vorzulügen und bin jetzt gerade noch schnell zu Netto gesprungen, um das Ganze mit einem oder zwei Gläsern Lumumba zu feiern. Prost.

Sonntag, April 11, 2010

Wie soll es reichen?

Du drehst deinen Kopf ein bisschen zur Seite, sodass deine Lippen nicht mehr meine berühren, sondern nur noch dein Atem mein Ohr streift. Und für einen kurzen Moment flatternden Herzschlagens ist mir alles klar. Dass das hier Leben ist und auch, was das bedeutet: Ich werde sterben. Schon jetzt bereue ich es. Drei Leben wären nicht genug. Wie soll der Sommer reichen?

--

So weit die Gedanken zur Musik von Polizeiruf110. Im Hinterkopf klingelt dazu das Wort "wake-up-call" und weiß nicht so recht, was es mir genau sagen will.

Mittwoch, April 07, 2010

Ich bin stolz auf dich. Sehr.

Nach 3 Jahren immer noch nicht richtig zu wissen, wie dieses Leben weiter gehen soll, ohne dich, ist furchteinflößend. Du bist eine Wunde und ich versuche, nicht hinzuschauen, weil mir sonst vielleicht übel wird vor Schmerz. Aber ich war wieder im Theater. Und jetzt schau ich hin. Und bin stolz auf dich. Sehr, sehr stolz. Obwohl mir das wohl gar nicht zusteht. Ich bin es trotzdem. Oh, ein Kuss auf die Stirn. Dich brennen sehen, ist immer noch Glück.

Und vielleicht - wenn ich Geld erübrigen kann - fahr ich einfach so hin. Einfach so.

Donnerstag, April 01, 2010

Kann ich mal kurz mein Leben speichern? Ich will 'was ausprobieren...

Manche Dinge muss man bis zu Ende ausprobieren, um zu wissen, ob sie funktionieren. Laufen war für mich so ein "Ich propbier das mal"-Ding. Und es ist gut. Ich möchte aber noch ganz andere Dinge ausprobieren. Deswegen habe ich mir überlegt für den Rest des Jahres jeden Monat irgendetwas neues auszuprobieren. Im April wird es vergane Ernährung sein. Beginnend am Dienstag nach Ostermontag(6.4.), weil ich meinen Eltern nicht unbedingt zu Ostern damit überraschen will. Und weil meine Mutter sich bisher extrem wenig begeistert von veganer Ernährung zeigt, wird das verbleibende Heimwochenende im April wohl vegetarisch sein.
Durch den verzögerten Start wird die Aktion bis 6.5. dauern und sich ein paar Tage mit der Testversion für Mai überlappen, für den ich mir auch schon was überlegt habe.
Seit einigen Tagen lässt mich veganes Leben nicht mehr los. Ununterbrochen studiere ich Zutatenlisten und streiche zunehmend mehr Dinge von der Liste der vertretbaren Nahrungsmittel. Schmerzlichst vermisst bisher: Milchschokolade, Milcheis, Joghurt, Käse(besonders auf Pizza), Backwaren mit Ei, Spätzle, Kakao und Zigaretten. Ich bin sicher, diese Liste wird sich im Lauf der kommenden Wopchen noch füllen. Zu Pilzen kann ich bislang noch keine eindeutige Position beziehen, werde mich aber bei Verganern informieren.
Für Mai hab ich wie gesagt schon einen Plan und auch für August hab ich eine vage Idee, aber für die übrigen Monate such ich noch nach Anregungen.

Montag, März 29, 2010

Schaut euch das mal an.

Ich bin heute Morgen mit Herzweh aufgestanden. Danach das Skins Finale zu gucken, hat nicht wirklich geholfen, nur die Intensität erhöht. Ich liebe diesen britischen Akzent und habe mir heute schon sehr sehr sehr oft diese Sätze angehört: "I've loved you from the first time I saw you; I think I was 12. It took me ... three years to pluck up the courage to speak to you.", ich habe es mir angehört, es vor mich hingesprochen, Akkorde darüber gehämmert. Und immer noch. Herzweh. Will nicht mehr weg gehen, seit dem Bühnenbrand in Dresden, obwohl ich heute lange und schnell gerannt bin. Ist immer noch da. Und vielleicht ist Skins nicht die richtige Projektionsfläche, aber andere ist gerade nicht da.

Sonntag, März 28, 2010

Rette mich!

Ich war im Theater. Jetzt brüllt es in meiner Brust "Freiheit für Flandern!" und ich bekomme diese unglaublich schöne Frau nicht mehr aus dem Kopf. Ich weiß nicht, wie andere Menschen ins Theater gehen. Kino halt ich aus. Aber Theater. Schlägt mich immer wieder in Scherben.

Donnerstag, März 18, 2010

Flattern

Und du mit deinen blonden Locken hinter deiner Fliegerbrille. In Röhrenjeans und Lederjacke - my oh my, bist du sexy! >Engel verführt man gar nicht oder schnell<, denk ich noch und da bist du auch schon vorbei, ich seh dich nur noch von hinten - auch gorgeous - und du drehst dich nochmal kurz um, ziehst deine Fliegerbrille runter und gibst mit deinem Augenaufschlag den Startschuss für den Frühling. So kann das gehen.

Montag, März 15, 2010

Und dein Frühling so?

Mein Frühling so? Wenn er sich nur endlich auch außerhalb von Herzfrequenzen bemerkbar machen würde! Aber als ich aufstand heute und der Himmel war blau, da war ich ganz Blütenstaubromanze, ganz Sommer und "Love oh Love". Wie geht es euch mit all dem? Frühling schon längst da?

Meine Arbeit geht langsam voran. Heute ist der Fragebogen fertig geworden, den ich meinen Kinderchen dann morgen vorsetze. Kinderchen? Ja. Denn es sind meine Wunderkinderstörenfriededramaqueensfeuerherzen. Junge Menschen sind toll und spannend und sehr, sehr anstrengend. Aber das eine gehört wohl zwangsläufig zum anderen dazu...

Die Ferien sind fast vorbei und ich freue mich fast schon drauf, in meinen geregelten Unialltag zurückzukommen und endlich alle wieder zu sehen und noch ein bisschen dieses eigentlich studentische(öko, arm, glücklich) genießen zu können, bevor ich mich in diesen Beruf werfe. Und das ist eine ziemlich Kehrtwende. Denn letztens hatte es mich ja noch so geschockt, dass ich noch so lange brauche, bis ich endlichendlich fertig bin. Das hat sich nun ein bisschen relativiert.

öko, arm, glücklich? Ich habe gestern mal so nebenbei festgestellt, dass ich für mich immer ein bisschen was anderes meine, wenn ich studentisch sage. Meistens meine ich damit nämlich öko, arm bzw. pleite oder glücklich. Das ist schön zu erkennen, weil es mich gleich nochmal glücklich macht. Love oh Love.

Mittwoch, März 10, 2010

Arbeitsdisziplin

Ich wollte in dieser Woche etwas über die zwiespätltige Arbeitsmoral schreiben, die mir dieses Praktikum einimpft: Dass ich nämlich einerseits jeden Morgen vor fünf aus dem Bett springe, um mich mit dem Fahrrad Richtung Delitzsch zu kämpfen, andererseits aber noch nicht mit der Belegarbeit angefangen habe. Heute versuche ich den Spieß umzudrehen. Ich bin früh aufgestanden, nur um dann am Frühstückstisch die aktuellen Temperaturen zu hören. Meine Lust aufs Radfahren wurde dem Erdboden gleichgemacht... also beschloss ich, heute nicht in die Schule zu gehen und dafür Hausarbeit zu schreiben. Ja. Dafür mach ich morgen länger Schule. Muss auch irgendwie gehen. Hoffen wir mal.

Sonst gibt es nicht viel zu berichten. Ich habe bereits Lieblingskinder, noch keinen Plan, wie ich in meinem Beruf mit meiner Sexualität umgehe und im Testkorrigieren bin ich richtig gut.

Samstag, März 06, 2010

Bösewichte mit Hang zum Wahnsinn

Während ich in Dessau sitze und feststelle, dass meine mühsam ausgeliehenen Bücher nicht viel für die Hausarbeit hergeben, die ich längst begonnen haben sollte, stricke ich mir interessante Exkurse zurecht.
Leider ist in einer Zeit wie dieser, in der Filme und Bücher immer stärker versuchen eine stereotype Bösewichtfigur zu vermeiden oder gar ganz ohne das personifizierte Böse auszukommen, auch ein wirklich schönes Motiv in den Hintergrund getreten: Der Bösewicht an der Orgel. Beliebtestes Stück, um den herannahenden oder längst offensichtlichen Wahnsinn des Antagonisten zu illustrieren: Toccata und Fuge ind G-Moll oder D-Moll von Johann Sebastian Bach.
Obwohl dieses Motiv wahrscheinlich mit einiger Symbollast aufwarten kann, da neben der bedrohlichen Stimmung, die das Stück verbreitet, die perfekte Körperkoordination des Schurken verblüfft, versuche ich es hier anders zu erklären: Angenommen, der Schein des Wahnsinns trügt nicht, so kommt der - meiner Meinung nach - von der schieren, besinnungslosen Begeisterung des Bösewichts von sich selbst. Wie die Finger über die Tasten fliegen und einen unglaublich großen Klang erzeugen und dass man eben einfach mal so zur Entspannung die Toccata in die Tasten hämmert - wenn einen das nicht von der eigenen Überlegenheit überzeugt und in den Größenwahnsinn treibt - was dann?!

Seht selbst.

Samstag, Februar 27, 2010

Mal schnell

Berlinale war mal wieder ganz groß, auch wenn das ganze Filmfestivalflair am Alex irgendwie auf der Strecke bleibt. Dafür gibts das aber am Potsdamer Platz en masse. Wir haben Red Hill gesehen, einen modernen Western, der in Australien spielt(wer sich mit Western auskennt, bemerkt hier eine eindeutige Diskrepanz). Der Schauplatz wurde vor allem nach Australien verlegt, damit man mal andere Ureinwohner zum mutmaßlichen Buh-Mann machen kann. War aber ein sehr schöner Film mit Mut zur Stille, Blut, toten Männern und natürlich einem Panther. In Australien. Ja...
Dann sind Christian und ich kurz zum Parkhaus um was zu Trinken und Franzi und Manu sind zu Netto was kaufen, um danach direkt wieder ins Cubix reinzustürzen, um uns für den nächsten Film zu platzieren. Goruden Suramba. Golden Slumber. Ein japanischer Film von mehr als zwei Stunden, der mich ehrlich gesagt ziemlich begeistert hat. Ein Attentat auf den Premierminister wird verübt und dann wird es dem Protagonisten angehängt, dem nun keine andere Wahl bleibt, als zu fliehen. Mit wirklich schönem Pop, Humor und einem ganz uneuropäischem Hang zur Emotionalität wird der Film dann in überlappenden Sequenzen erzählt und kommt tatsächlich ohne Längen aus.

Das zur Berlinale. Sonst ist hier grade die Hölle los. Seit einer Woche bin ich im Praktikum an der Mittelschule, was ein Aufstehen zu absolut unmenschlichen Zeiten erfordert. Die Belegarbeit für die 4 Wochen ist noch nicht so richtig angefangen und wenn ich um eins nach Hause komme, will ich eigentlich nur noch schlafen. Nächste Woche muss das aber anders werden. Eigentlich müsste sich das schon heute ändern, aber es läuft mal wieder Kauflandinventur und gleich muss ich los zu einer Beerdigung(sehr ihr das Dollarzeichen in meinen Augen?).

Ich wollte noch was über erste Küsse schreiben und die wichtigen Dinge des Lebens, aber das muss vielleicht noch ein paar Stunden oder einen Tag warten...

Dienstag, Februar 16, 2010

Auch ich möchte nicht behaupten, ich wüsste wie das ist

Letzte Nacht war bei den olympischen Winterspielen Eiskunstlauf. Der Paare. Kür. Nachdem ich schon den 2min50s Auftritt von Aljona und Robin gesehen hatte, hab ich mächtig gehofft. Eiskunstlauft ist nicht mein Sport aus Prinzip. Die beiden haben ihn quasi dazu gemacht mit den letzten beiden Weltcups. Und jetzt?
Es ist nur Bronze geworden. Wenn ich heute Radio höre, merke ich, dass viele nicht so recht verstehen können, warum Bronze eine riesige Enttäuschung bedeutet. Ich glaube mittlerweile eine Ahnung zu haben. Die Goldmedaille war nämlich die Chance. Die große. Endlich Sponsoren und gute Presse und vielleicht auch Fördergelder zu bekommen. Den Trainer nicht mehr von der eigenen Gage zu bezahlen. So eine Chance. Und nun stehen sie da auf dem Siegertreppchen, als bräche die Welt Stück für Stück auseinander.
Über die Leistung als solches will ich nicht viel sagen, da Eiskunstlauf wie gesagt nicht unbedingt mein Sport ist. Allein die Tragödie epischen Ausmaßes, die diese Bronzemaille darstellt, wollte ich euch andeuten.


Um zehn geht es auf nach Berlin zu diesem wunderbaren Filmfestival und im Radio läuft dazu Berliner Musik. Die große Dame erwartet uns. Und wir sind dazu mal wieder sehr spontan und versuchen, einen Glücksgriff an der Tageskasse zu machen.

Samstag, Februar 13, 2010

Ist das nicht wunderbar

man sitz hier Samstagabend alleine im GWZ - und ich sag euch: Es ist wirklich NIEMAND mehr hier..." So klingt also das Echo der Capellaklausur. Es war gut. Wie befürchtet hat uns die freudig erwartete Ovidklausur in die Pfanne gehauen und die gefürchtete Capellaprüfung ging relativ glatt - das Leben ist ein einziges Paradoxon!

Aber ich bin mal wieder glücklich. Grade sehr glücklich. Jetzt gilt es alle Sorgen zu vergessen und die wenigen freien Tage (3) zu genießen...

Samstag, Januar 30, 2010

rastlos. nie ratlos.

Das geht jetzt hier ein bisschen an die Mia, die offensichtlich auch studivzsuizid begangen hat und deren Mailadresse ich jetzt leider grade nicht zur Verfügung habe. Macht aber nichts, geht ja auch so.

Ich habe am Glücksrad gedreht. Und mich beworben für ein Erasmussemester. Erstwunsch ist ein Kaff in Wales direkt am Meer, Zweitwunsch ist Birmingham, Slade-Heimatstadt Wolverthampton hat es kurzfristig doch nicht auf die Liste geschafft. Wenn alles klappt - bittebittebitte - bin ich im nächsten Januar dann schon dort und will mir direkt im Anschluss gern noch ein Urlaubssemester nehmen, um mir dieses ganze Großbritannien anzuschauen. So wie ich das sehe, gibt es im April Bescheid und bis dahin warte ich atemlos vor Spannung.

Die Frage sollte nun lauten: Was will ich in einem walisischen Küstenkaff? Laut Motivationsschreiben möchte ich vor allem die tollen Literaturkurse in Anspruch nehmen. Aber das steht da ja irgendwie pro forma. Im Grunde will ich dort die wunderbarsten Dinge tun! Ich will ans Meer, die Welt erobern, kaputt brechen, wieder zusammenwachsen und ich will weg. Dabei will ich eigentlich gerade vor allem eins: Hier bleiben. Nicht ganz so einfach vielleicht.
Auch das war ein Grund - neben der drängenden Zeit - mich jetzt für den Erasmusplatz zu bewerben: Ich bin hier zu Hause. Völlig. Bin angekommen und nenne dieses Messestädtchen Heimat und meine dabei die leuchtenden Augen, schlagenden Herzen und tanzenden Beine, die jederzeit diese Stadt verlassen könnten. Ich habe das Gefühl, da wäre noch genug Platz in meinem Brustkorb, um auch den Rest der Welt so lieb zu gewinnen. Mit diesem Ziel zieh ich aus.

Ich fühle schon jetzt ein selbstgewähltes Exil über mir schweben, wie ein Damoklesschwert und bereits die greifbare Nähe des Fortvonhier gibt meinem Leben, meinem Herzschlag, meinem Schritt einen Hang zum Exzess, zur Konsequenzlosigkeit. Es ist die wahnsinnige Schwester der Lebensfreude: Todesgewissheit.

Und weil ich noch hier bin. Noch hier. Habe ich mir überlegt, dass die Leipziger Szene mich vielleicht doch noch braucht. Oder ich sie. Und werde deshalb mal schauen, was da geht.

Samstag, Januar 23, 2010

Ein bisschen wie Glücksspiel...

Das fühlt sich alles ein bisschen wie Glücksspiel an, wie ich hier sitze und mein Motivationsschreiben für diesen Erasmusplatz zu Papier zu bringen versuche. Ich bin mir nicht sicher, ob die Leute, die sich das ausgedacht haben, wohl je einen Gedanken an mögliche Konsequenzen verschwendet haben. Meine ausgedehnte Recherche, um das Motivationsschreiben mit Inhalt zu füllen, führt zu einer unglaublich festgelegten Sehnsucht nach dieser Uni, dieser Stadt, diesen Kursen in diesem einen bestimmten Semester. Ich kann diesen Platz jetzt unmöglich nicht bekommen. Es wäre eine Enttäuschung von unglaublichem Ausmaß. Deswegen feile ich ja auch so an diesem Text und hoffe, dass er bis Donnerstag zu einem Meisterwerk gewachsen ist. High stakes.

Donnerstag, Januar 21, 2010

Gastonia

Ich sitze über "the Gastonia Strike of 1929" und stelle wieder fest, was mich schon seit einigen Wochen überrascht. Trotz meiner nicht unerheblichen Abneigung gegenüber Geschichte und dem Lernstoff der sich dahinter verbirgt und trotz meiner speziell gegen Amerikas Geschichte und Geschichtsschreibung gerichteten Ablehnung, habe ich das Gefühl, dass hier unter meinen Augen, im Gespräch mit Garrett und in dieser Vorlesung Großes passiert. Eine wunderbare Vorlesung scheine ich da seit einiger Zeit zu besuchen. Ich bin betroffen und begeistert und plötzlich sehr politisiert.

Montag, Januar 18, 2010

open up

Du öffnest mein Herz wie eine Auster. Mit Messer und Hebelbewegung. Und ich bin mir nicht sicher, ob du mich retten willst oder umbringst. Oder beides.

Dienstag, Januar 12, 2010

Kalt, kalt, Schnee, Eis, kalt -

ich mag es. So ein richtiger Winter hat doch was. Auch wenn er den Weg zur Uni, zur Nahtoderfahrung macht. Er verleitet zum Beispiel dazu, dass man, wenn man einmal in der UB angekommen ist, auch gerne mehrere Stunden dort bleiben will. Allein das Erscheinen beim Seminar wird als Engagement gewertet. Der durchschnittliche Adrenalinspiegel der Studenten erhöht sich: "Wenn ich jetzt ausrutsche, werd ich überfahren - da ist ein Auto direkt hinter/neben/vor mir!" und das gibt wiederum dem Unibetrieb so ein leichtes Endzeitflair. Angenehme Stimmung irgendwie.

Freitag, Januar 01, 2010

Resolution. Auf ein wunderschönes 2010

ZwanzigZehn. So nenn ich es zur Zeit noch, dieses blutjunge Jahr. Und es sieht so gut aus. Hier liegt bisher allerfeinster Neujahrsneuschnee und lädt zum Rodeln ein und pünktlich letzte Nacht dachte ich mal kurz über diese Schlitterpartie nach, die sich da Leben nennt. Ich hab es ja nicht so mit handfesten Vorsätzen. Es gibt mehr so eine Jahreslosung und dann läufts. oder so ^^.

Trotzdem nenn ich es Resolution. Weil ich begeistert bin, dazu gekommen zu sein und weil sie anders ist, als die vorangegangenen. Ich bin NullNeun sehr darauf verfallen nach einem MehrmeerMärmehr zu schreien und mich stetig weiter voranzupeitschen, weil ich "zu Hause" und "zufrieden" für eine schwache Ausrede für "ich kann nicht mehr" hielt, was dann dazu führte, dass ich wirklich fast nicht mehr konnte. Dass mir soviel Klarheit, um das zu begreifen, mal vergönnt sein würde, hätte ich gar nicht geglaubt und bin deswegen auch durchaus gewillt das zu verändern.

Der Leitsatz für dieses hoffnungsvolle ZwanzigZehn ist also vielleicht: Zufriedenheit zulassen.
Bestechend einfach, wie ich finde. Das soll es auch werden. Einfach einfacheinfach. Nicht eindimensional oder eintönig oder ein-irgendwasdoofes. Nur einmal einfach vielleicht. Ein bisschen. ;).
Ihr seid hoffentlich alles gut reingekommen und freut euch jetzt ein bisschen am Schnee, sofern ihr welchen habt.

Und zum Schluss bei mir laufen grade The Kills. Und schaut euch mal bitte die ersten 40 Sekunden von diesem Video an - ist das heiß?


PS: Resolutionen der letzten Jahre - 06: Mehr von fast allem.
07: Abitur
08: Voran voran
09: ... nix! Gar nix! Man stelle sich vor! ^^

Freitag, Dezember 25, 2009

Große Freude. Friede auf Erden.

Das war er also. Mein Heiligabend. Vier mal Orgeln und dazu eine Christvesper nahezu unbeteiligt besuchen (bis auf ein kurzes Zwischenspiel) und einfach nur zuhören und mitsingen. Heute war ein großartiger Mann an unserer Orgel. Der ehemalige Organist fand sich für den Weihnachtsgottesdienst ein und ich habe mich von ihm noch einmal ganz neu inspirieren und motivieren lassen. Was man mit so einer Orgel alles machen kann. Faszinierend! Das musste ich dann 23 Uhr in Törten auch direkt ein bisschen ausprobieren.
Jetzt bis eben noch Wohnzimmerkonzert mit meinem Bruder für die Familie bei Whisky. Ganz unweihnachtlich mit Coldplay und Kettcar. Sehr fein.

Geschenke gabs natürlich auch. Eine ganze Menge sogar. Und ich habe neuen Lesestoff für die kommenden Tage und den Plan unser musikalisches Repertoire zu erweitern.

Jetzt? Jetzt nur müde und Weihnachten und morgen zum Glück frei und ausschlafen. Das wird schön...

Montag, Dezember 21, 2009

Stellvertreterkriege

Und alles anders. Mal wieder. Ich glänze auf Grund der Witterung mit Abwesenheit bei einer Hochzeitsfeier und habe so Zeit, die übliche grausame vorweihnachtliche Seelenausleuchtung zu vollziehen, die es vermag dem folgenden Weihnachtsfest den Anstrich eines Neuanfangs zu geben.

Ich habe heute zum wiederholten Male einen Prosatext einer Freundin gelesen, der in diesem Jahr entstanden ist. Und. Plötzlich meine ich zu ahnen, worum es darin eigentlich geht, oder halte mir zumindest selbst in diesem Text den Spiegel vor. Ich nehme die beschriebene Situation als Stellvertreterkrieg und sehe, wie alles werden könnte, wenn ich auch. Die Karten auf den Tisch lege. Aus der Deckung gehe. Aufmache. Ausmache.
Ich lese diesen Text und denke für einen Moment, es muss nicht leicht sein, sie zu lieben, diese Frau, die das schreibt. Nicht leicht. Und dass es eben auch nicht leicht ist unter klaustrophobischen Bedingungen Distanzwettbewerbe durchzuführen, so wie ich. Nehme ich das etwa auch so schwer? Gehe ich in meinem eigenen Waterloo auch so unter? Aber ich sehe mich nicht rudern und keine Leuchtfeuer abbrennen, neinnein.
Denn am Ende - und ich hoffe, es gibt eins, auf das dieses Crescendo zuläuft - am Ende werd ich gehen, als hätt ichs immer vorgehabt. Und wir werden verändert sein und noch nichts entschieden. In dem Stunden Zugfahrt entfernten Stellvertreterkrieg wird es keinen Sieger geben. Und in meinen eigenen vier Wänden wohl auch nicht.

Wir sind von der Pflicht entbunden, verstehen zu müssen. Wir müssen nur aufhören, sie anderen aufzubürden.

Was ich bin, bin ich, weil ich bin. Und weil ich war.

Manchmal denk ich mir, wenn alle Welt in Momenten so glücklich und ganz sein könnte, wie ich, gäbe es keine Kriege, keine Nöte, kein Reality-TV. Heute Morgen war so ein Augenblick. Gestern Abend war Feuerzangenbowleabend bei Hendrik mit Manu, Christian und einer kurzfristig doch dabeiseienden Mia. Der Hinweg über die zugeschneite Autobahn war lediglich passender Auftakt zu einem Abend voll winterlicher Heimeligkeit. Im Schnee, bei Bowle und schließlich auch vor dem Fernseher herrschte eine grundzufriedene Atmosphäre ob der Tatsache, dass wir uns endlich mal wieder alle beisammen haben und der schlechte Humor bewies mal wieder, dass er keine Grenzen kennt.
Und heute Morgen kam dann besagter Moment: Halb Zehn gerade aus dem Bett gefallen in einem Coswiger Wohnzimmer stehend und auf den schneebedeckten Garten blickend erfasste mich eine Welle des Angekommenseins, voller Liebe und warm und weich. Keine studentische Diaspora, kein Weihnachtsstress, kein Kater oder Frieren, nein einfach nur schiere Freude darüber zu sein. Jetzt. Hier.

Freitag, Dezember 18, 2009

Auch wenn du nicht fliegen kannst

falt die Flügel nicht zusammen, breit sie aus und spring nochmal und vielleicht kommt ein Wind, der dich mitnimmt.

Heute Schnee! Wunderbarer Schnee. Und ich war bis heute Morgen ganz Unweihnachten. Mir war einfach nicht so. Nicht wegen des Wetters. Einfach nur so halt. Mir war ganz unweihnachtlich. Und jetzt? Jetzt hat mir die Maria ein Eulenkärtchen auf den Schuhschrank gelegt und nun weiß ich es wieder. Wie das geht, mit Weihnachten... Gerade in diesem Moment bin ich nur Liebe und schon Sehnsucht nach Leipzig und schon Vorfreude auf die, die zu Weihnachten auch alle in Dessau sind. Auf einmal überkommt mich wieder die wohlbekannte Antikleptomanie a.k.a. Schenksucht und ich bin fast versucht nochmal nach Leipzig zu fahren, um Maria dafür zu danken.

Guck mal an. Fast Weihnachten.

Dienstag, Dezember 15, 2009

Bildhauerarbeiten am offenen Text

Ich habe heute ganz fristgerecht und mit allen Unterschriften meinen Antrag für die Bachelorarbeit abgegeben. Und bin ganz glücklich damit. So glücklich. Und vor lauter Glück sitze ich jetzt auch endlichendlich am Essay und fühle mich als würde ich mit Hammer und Meißel in den Steinbruch meiner Erkenntnisse gehen, um eine Sprachskulptur zu hauen. Ist ja ne Sprachübung. Und der Inhalt eher sekundär. Dennoch. Ich erwarte von mir schon so halbrevolutionäre Erkenntnisse.

Seit heute morgen läuft dazu immer wieder Mausen von Mia und treibt mich immer noch ein Stück weiter nach vorne. Es wird. Es kann klappen bis Donnerstag. Oh ja, es kann.

Montag, Dezember 14, 2009

Jahresendzeitstimmung...

Zwischen dem Dezember und mir gings mächtig zur Sache, da blieb erstmal keine Zeit zum bloggen...

Die Weihnachtsfeier des Fachschaftsrates ist letzte Woche gut über die Bühne gegangen und war lange nicht so langweilig, wie zwischenzeitlich befürchtet. Matze hat seine Sache als Weihnachtsmann gut gemacht und mir ein Schokofondue zugeteilt. Nach dem aufräumen saßen wir noch bis eins im FSR und mussten mal den teuren Wein von Herrn Deufert kosten und noch mehr vegane Plätzchen essen. - Die Feuertaufe ist jedenfalls überstanden und unser Institut glänzte mit nahezu vollständiger Anwesenheit, wohingegen die Romanisten spärlich vertreten waren *yes*.
Morgen stellen wir dann den Antrag auf Nachnominierung im Plenum und dann sind wir hoffentlich so richtig dabei.

Vom Samstag zum Sonntag feierte Matze seinen Einzug und tat es so gut, dass ich eigentlich auch kurz nach vier noch nicht gehen wollte, obwohl ich um 8 mit dem Auto nach Dessau zurück musste... inzwischen hab ich mir den Schlaf wieder zurück geholt und bin mächtig überrascht, dass sich niemand über die Lautstärke beschwert hat - war ja mit 3 Floors und so ;).

Ich habe endlich einen Zweitkorrektor für meine Bachelorarbeit und das heißt, ich kann den Antrag fristgerecht am Dienstag einreichen. Jetzt will ich heute noch meinen Essay fertig zimmern und dann ist der Stress auch schon vorbei... oder... da war doch noch... Weihnachten! Tja, ich hab noch kein einziges Geschenk und warte darauf, dass sich dieses Problem in Luft auflöst *wartwart*.

Montag, November 30, 2009

Dezemberliebe

Es muss an dem Kuss liegen, den mir der Dezember über die letzten Stunden Distanz zuhaucht. Ich bin heute ganz verzaubert von den kleinen Wolken, die unser Atem bildet, von den heißgeliebten Lebenszeichen der Menschen, die in mir brennen und ich habe das Gefühl, dass plötzlich alles Liebe ist. Liebeliebeliebe!

Beeil dich nicht, ich bin grad so glücklich. Dieser Moment kann auch gerne länger dauern. Noch länger. Ganz lang.

Ein Kuss auf die Stirn. Der Dezember und ich, wir werfen uns glutheiße Blicke zu und wissen: Morgen ist es soweit! Morgen schon. Wir haben einander gefehlt irgendwie. Schrecklich gefehlt.
Hab mich heute unverhofft ganz neu in diese Welt verliebt. Und möchte euch gerne etwas davon abgeben.

Sonntag, November 29, 2009

Ganz weich

Manchmal bin ich unvermittelt ganz weich innen. So weich, dass ich mich am Liebsten selbst in mich hinein legen würde.

Mein Herz ist für dich groß geworden,
es hat dir einen Palast gebaut,
die Wände tapeziert mit Gold,
und ein See wie deine Augen - blau.

Mein Herz ist ein faustgroßes Chaos,
es hat sich wild und schön geträumt
und jetzt bist du hineingestolpert -
ist grade nicht aufgeräumt.

Mein Herz war eine Einraumwohnung,
ohne Fenster und Balkon,
jetzt ist es wie ein Penthouseloft
doch bitt ich dich: Spring nicht davon!

Flieg nur,
wenn du fliegen kannst,
mein Herz wird Flughafen


und tanzt.

Ich war für brennen

am Besten gleich.

Wenn ich heute auf Feiern deine Großmutter oder deine Tante treffe, überkommt mich das Gefühl, dass wir beide vielleicht doch ganz gut zueinander gepasst hätten. Und dass ich mit dir hätte alt werden wollen und an dir entlang wachsen und dir zusehen dabei, wie du schöner wirst Jahr für Jahr. Dann fällt es mir schwer, zu glauben, dass dieses etwas, das mich nun schon fast ein Drittel meines Lebens begleitet, ein nichts bleiben soll. Nun ja. Nicht nichts. Meine erste, meine schönste, meine größte Liebe.

Ich war für brennen. Am Besten gleich.

Mittwoch, November 25, 2009

Egal wohin.

Lasst uns nicht übers Wochenende reden.

Ich habe fast ein Thema für meine Bachelorarbeit... jetzt muss ich nur noch eine Outline dafür ausarbeiten, dann ist es meins. Und das gestaltet sich aufwändiger als ich dachte. Eigentlich sollte das auch diese Woche werden, allerdings ist die Präsentation für morgen noch nich ganz fertig und die geht irgendwie vor...

Gestern große HRK-Demo. Sehr laut, aber auch spaßig, mit Stürmung des Neuen Rathauses und Besetzung des Rektorats. Das Wetter hat am Anfang sehr fein mitgepielt und erst nach 2,5 h setzte Regen ein. Bin auf die Auswertung des ganzen im nächsten Plenum gespannt.
Und nach der Demo und einem Gastvortrag zu Ciceros Tod, sind Kristin und ich noch mit zu Isabell, die Nacht rumbringen mit Zigaretten, Mandarinen und White Russian und dem Best-of-Disney Soundtrack im Hintergrund. Ein Abend wie gemalt, nach dem ich dann heute ausgeschlafen habe. Und jetzt zimmere ich die Präsentation.
Ja, an diesem Vormittag könnte ich beinahe den Eindruck gewinnen, es sei ein ruhiges, beschaulisches Leben...

Sonntag, November 22, 2009

Verlorene Tochter

Es muss für jeden Menschen Momente geben, in denen er seine Familie hasst. Das rede ich mir ganz fest ein, damit ich wieder im Bereich des Normalen ankomme. Ich durchlebe gerade die letzten Stunden des zweiten emotional total beschissenen Heimwochenendes in Folge. Als Lösungsvorschläge zur Vermeidung des Dilemmas in der Zukunft konkurrieren Selbstmord und nie wieder nach Hause fahren sehr stark.
Das Gefühl hier nicht daheim zu sein, ist dem Gefühl gewichen, das auch gar nicht mehr zu wollen. Dass ich eine verlorene Tochter bin, das habe ich inzwischen als ungünstige Ausgangslage für jegliches familiäres Zusammensein akzeptiert. Dass dies aber unumstößlich so bleiben soll, dass ich daran nichts ändern kann und dass ich hier nicht mehr ankommen werde, beginne ich nun zu begreifen. Ich werde auch in 40 Jahren noch die verlorene Tochter sein. Ich bin mir nicht ganz sicher, wessen Versagen man daran deutlicher ablesen kann. Aber man kann.

Ich bin verloren. Und kein Grund. Und kein Wert. Denn eure Tochter ist tot und nicht wieder lebendig.

Montag, November 02, 2009

DOK-Festival

Die letzte Woche war im Grunde eine Serie von Kinobesuchen, nur von Uni unterbrochen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Dokumentarfilm so für mich entdecken könnte! Hingerissen und begeistert lässt mich dieses Festival zurück. Filme übers Leben und übers Sterben habe ich gesehen - manche ausgestattet mit Sätzen und Bildern, denen man ihre Wirklichkeit fast nicht glauben konnte. Und wir Cineastenvolk davor, plötzlich eine Familie werdend beim Anstehen und Filmsehen und Programmdurchblättern.
Es war wunderbar und ich hab mich sehr zu Hause gefühlt bei den Untertiteln und den Volunteers, die man nach dem ersten Tag alle kennt. Die Polen sind dann auch noch für 2 Tage gekommen. 2 sehr lustige Männer, die gar nicht so aussehen, wie die Filme, die sie drehen.

In dieser Woche gibt es viel zu tun, da ich ja in den letzten Tagen nicht besonders viel Energie in die Uni gesteckt habe. Deswegen war ich heute auch schon wieder voll dabei und trotz strömendem Regen und plattem Reifen erstaunlich gut gelaunt. Gerade habe ich Schokokekse gebacken und den Tag so einem gelungenen Abschluss entgegengeführt. Seit ein paar Tagen möchte ich der Mia einen Brief schreiben, aber heute bin ich schon wieder zu müde, vielleicht findet sich morgen Zeit.

Apropos Brief: Heute kam ein Brief von meiner Praktikumsschule: Sie fügen sich in ihr Schicksal und lassen mich 4 Wochen lang fröhliche Praktikantin sein. Jap. Also hab ich schon einen organisatorischen Schwerpunkt für November abgehakt. Bleibt noch die Bachelorarbeit. *seufz* Ich gucke.

Und da ist ein Mann. Für den ich mich interessiere. Also so wie ich mich eben für Männer interessieren kann. Und ich frage mich unwillkürlich, wie andere Menschen die ersten Phasen beginnender Freundschaft erleben. Für mich ist das sehr wie Verliebtsein, nur etwas gelassener vielleicht. Ein Mann jedenfalls. Und seine Augen leuchten, wenn er dieser Welt begegnet. Er ist wandelnde Kapitalismuskritik, an dieses Leben verloren und in seltenen Momenten unwiderstehlich schüchtern. Ich möchte ihn so unbedingt kennen lernen! Wie fühlt sich das wohl für andere Menschen an? Wie fühlt sich das an, wenn ihr euch rein platonisch für Menschen begeistert?

Freitag, Oktober 30, 2009

Eine Stimme wie Katzenpfoten auf sonnenbestaubtem Parkett

Heute habe ich recht früh - zu nachtschlafener Zeit quasi - eine Freundin angerufen und ihre Stimme war noch ganz weich und warm vom Schlaf. Ich konnte förmlich sehen, wie in ihren Augen die Sonne aufgeht und Oktober ein Spätsommermorgen wird einfach so und alles um uns herum flüssiges Glück. Jeder Mensch sollte beim aufwachen so eine Stimme haben. Und hören. Das auch.

Montag, Oktober 26, 2009

Woche 3. Pause. Einfach Pause.

Diese Woche nun also Besuch. 2 Männer, wie es scheint. Aus Polen. Und ich hab am Ende wahrscheinlich doch nicht sehr viel davon, da ich Donnerstagnacht bereits nach Hause aufbrechen muss, zum Orgeln... hoffe aber, ich kann spät am Freitag nochmal hier aufschlagen und das eine oder andere sehen. Es gibt so viele interessante Filme!
Also geh ich mit Jan ins Kino am Mittwoch. Einfach so. Hoff ich. Weiß ich nicht genau. Mal sehen, wie das wird.

Am Freitag war bei Julia B. Einweihungsparty und mit dabei war eine grandiose Simone, die zwar bi aber vergeben ist und noch Samstagmorgen(grade wieder zu Hause) direkt zu wilden Phantastereien meinerseits führte. So zu hören hier.

Heute war ich dann mit meiner heimlichen Geliebten, der Philologie, in der UB und musste feststellen: Eine schwierige Frau habe ich mir da ausgesucht. Heute wollte nichts gelingen, alles, was ich tat war falsch und so verließ ich die Albertina recht schnell wieder, werde aber noch heute Abend wieder nach meiner Philologia schauen und noch eine metrische Analyse anfertigen. Vielleicht stimmt sie das milde?

"Bin so müde
alle Nächte trag ich auf dem Rücken..."
Frühaufstehen bleibt das Motiv, das jeden Tag wiederkehrt, um Zeit zu finden für all das Schöne und alles, von dem ich schon immer sagen wollte, ich hätte es gemacht. Dementsprechend geht es morgen Abend zur StuRa-Versammlung. Schauen, was geht. Schließlich habe ich mir jetzt noch ganz grandiose Fachschaftsratsarbeit unter den Nagel gerissen, die bewältigt werden möchte. Weltherrschaft, ich bin bald da!
Aber natürlich hinterlässt das auch alles Spuren und ich bin heute schon wieder mächtig fertig. Ich werde also nach einem kurzen tête-à-tête mit der gelehrigen Arbeiterin der Nacht erschöpft ins Bett fallen und diese Woche wohl eher weniger arbeiten...

Dienstag, Oktober 20, 2009

Stöckchen-Award

Aus unerfindlichen Gründen bin ich an diesem Morgen mächtig in Awardstimmung und werde hier nun also eine Art Acceptance Speech aus dem Ärmel schütteln. Ich danke der Academy, fürs Erkennen von Talent und natürlich Christin, die sich quasi als exekutives Organ zwischengeschaltet hat. Ferner möchte ich meinen Sponsoren danken: Mama, Papa - ohne euch würde dieses Blog gar nicht existieren.

Nun zum Stöckchen. Von mir nur teilweise bearbeitet. Aber das muss reichen:

1.) Bedanke dich bei der Person, die ihn dir verliehen hat.
2.) Kopiere das Logo und platziere es in deinem Blog.
3.) Verlinke die Person, von der du ihn bekommen hast.
4.) Nenne 7 Dinge über dich, die anderen noch nicht bekannt sind.
5.) Nominiere 7 ‘Kreativ Bloggers.’
6.) Verlinke diese Blogger bei dir.
7.) Benachrichtige die 7 durch einen Kommentar.

Nenne 7 Dinge über dich, die anderen noch nicht bekannt sind:

1. Wenn mir langweilig ist, ich von Panikattacken oder Schmerzen geplagt werde, zähle ich Dinge, suche mathematische Zusammenhänge zwischen total willkürlich auftauchenden Zahlen und gehe die Fibonacci-Reihe durch. Das hält mich dann irgendwie zusammen.

2. Ich habe gar nichts gegen die französische Sprache . im Gegenteil, die meiste Zeit über finde ich sie sehr hübsch. Ich habe nur ein Problem mit vielen Menschen, die sie als Fremdsprache sehr gut beherrschen. In deren Augen tritt nämlich nicht selten ein glasiger Blick der Selbstbeweihräucherung. Wahrscheinlich einfach ein Punkt, den ich selbst noch nicht erreicht habe. Außerdem sagen Franzosen "novembre" - und das ist die ultimative Vergewaltigung dieses eigentlich sehr schönen Wortes!

3. Mir sind Namen sympathisch mit denen man Lebewesen - menschlich oder nicht - in der heutigen Zeit wahrscheinlich lieber nicht belasten sollte. Mephisto zum Beispiel klingt sehr hübsch. Aber auch Paprika, Papaya, Taxi, Ouzo, Pandora und Medea sind in der Top Ten von Haustier- und Kindernamen bei mir ganz oben.

4. Ich stehe unheimlich gerne früh auf. Das merkt man mir aber meistens nicht an, weil ich den Arsch nicht aus dem Bett kriege... Wenn ich aber einmal aufgestanden bin, kann ich der Schönheit des frühen Morgens eine Menge abgewinnen. Wahrscheinlich könnte ich morgendlichen Zeiten noch mehr abgewinnen, wenn meine Freunde vor 12 aufstehen würden...

5. Während ich auf Parties und in Cafés mit Nachdruck deutlich mache, dass sich hinter einem schönen CD-Cover meistens eher zweifelhafte Musik verbirgt, tätige ich regelmäßige Coverkäufe bei Saturn. Beeinflusst wird meine Wahl nur durch den Albumtitel und das Bild vorne drauf. Ich habe dabei noch nie eine CD gekauft, deren Musik mir nicht gefallen hat.

6. Ich erzähle gerne Geschichten, deswegen merk ich auch, wenn mir welche im Alltag über den Weg laufen... manchmal eignet sich der Kontext ihres Geschehens aber nicht zum weitererzählen oder es wäre noch toller, wenn das woanders passiert wäre - dann modifiziere ich das beim weitererzählen einfach.

7. Gespräche gehen in meinem Kopf einfach weiter. Ich ersetze mein Gegenüber so gut ich kann und diskutiere dann die brisanten Punkte noch aus, wenn ich lange schon alleine zu Hause sitze. Nicht selten eröffnet sich mir dabei eine ganz neue Sicht auf die Dinge. Wenn ich ein unterbrochenes Gespräch also einen Tag oder eine Woche später wiederaufnehme, bin ich meistens schon 3 Schritte weiter und auf ganz neue Punkte gestoßen.

So. Die übrigen Punkte werde ich nicht bearbeiten. Das Stöckchen steht zur Selbstbedienung frei.


Was ich noch sagen wollte: Ich bin aus Französisch raus. Ich verschiebe das noch ein bisschen. Will endlich mal wieder nur 3 Module haben und freue mich da schon sehr drauf.

Samstag, Oktober 17, 2009

Dauert alles.

Die Ausführung zum Halbmarathon sollten ja eigentlich schon seit ein paar Wochen hier stehen - daraus wurde dann aber irgendwie doch nichts. Die Uni hat wieder angefangen und ich bin ganz Glück mit meinen Lateinkursen - wer hätte das gedacht?! - und schon ein bisschen in Panik vor Englisch und echt verärgert, dass in meinem Französischkurs alle Welt fließend spricht und ich mir da wie der letzte Depp vorkomme. Frau Müller hat aus ähnlichen Gründen ihren Italienischkurs bereits nach einem Kurs wieder abgebrochen - aber derartiges kommt für mich natürlich nicht in Frage, obwohl ich bereits erwogen habe, die Studienordnung nach einem Hintertürchen für mich abzusuchen, dass mir das Französischdilemma erspart... na ja.

Zum Halbmarathon jedenfalls. Wenn alles läuft wie geplant, laufe ich am 25 April 21,4km durch Leipzig. 2,5 Monate Ferien trieben mich und Kristin an den Rand der Unzurechnungsfähigkeit, was bei uns ganz unabhängig voneinander zu verstärktem Bewegungsdrang führte. Vor 4 Wochen im Zug war es dann soweit: Unsere halbgaren Gedanken vermengten sich zu einer explosiven Mischung und am Ende stand ein brillianter Plan: Halbmarathon laufen! Und später auch Marathon! Jap. Ich bin noch sehr gewissenhaft und motiviert bei der Sache und schon recht gespannt, ob ich das dann auch so hinbekomme.

Übernächste Woche haben wir Gäste vom DOK-Leipzig. 2 Frauen soweit ich das bisher weiß. Und dafür bekommen wir Dauerkarten für das Festival. Ich bin schon sehr gespannt, wie hoch mein Cineastenherz da schlagen wird.

Und dieser Herbst! Habt ihr diesen Herbst gesehen?! In Grau und Gold und mit Regenbögen und Herbstwind, der nach Herzwind schmeckt! Ach, Herbst!

Sonntag, Oktober 04, 2009

Never, never, never...

give up. Das Jahr ist fast vorüber und bis jetzt hats nicht geklappt... Aber noch sind wir hier. Breiten die Arme aus für einen goldenen Herbst und sagen: 50-Stunden-Woche! Pah! Ein Leben wird das! Zumindest sagen wir es noch.
Ab morgen bin ich erstmal wieder in Leipzig. Ich habe mir einen Biomarkt gesucht, in dem es tatsächlich noch Frischmilch gibt. Und der ist bei uns direkt um die Ecke. Den werd ich vielleicht noch morgen aufsuchen. Ich weiß nicht... ich brauche dringend etwas aufwändiges, zeitfressendes, was nichts mit Uni zu tun hat, fürs nächste Semester. Die Grüne Jugend sucht vielleicht noch jemanden oder sowas... Ein Chor. Oder was ehrenamtliches. Anders ist dieses Semester nicht zu überleben, fürchte ich. Halbmarathontraining ist ja auch sowas. Aber dazu erzähl ich morgen noch was. Heute nur müde und kaputt.

Donnerstag, Oktober 01, 2009

Es wird immer weniger

Was ich in den nur halben Sätzen sage. Deswegen weite ich das vielleicht doch noch mal aus, mit dem letzten Absatz.

Du hast dir die Welt zu Füßen legen lassen - viel zu spät eigentlich - und bist vorsichtig darauf gewandelt, mit wachem Schritt. Du hast einen ganzen Sommer lang Furore gemacht und der Sonne die Hand hingehalten, jeden Morgen aufs Neue. Und ich hab gestaunt. War verblüfft, was du sein kannst, wie du dir Wunder anziehst, als wären sie für dich gestrickt. Auf einmal warst auch du überzeugt, dass dieser Weg dich erwartet, dass es dein Sommer ist und dein Herbst und dein Herz hat getanzt auf den letzten Stufen bis hierher, ist gesprungen, nie gefallen und noch unversehrt.
Wenn die Blätter jetzt fallen, musst dus neu beweisen, dir selbst ja vor allem, dass du Glück sein kannst. Und ich werds glauben müssen, ich werds glauben wollen, wenn du dich anzündest und brennst, dass du zum Fliegen, zum Schweben geboren bist und ich werd bleiben, bis du nicht mehr fällst.

Wahlsterben

Und Wahl war auch erst. Inzwischen hat sich mein erster Aufruhr wieder gelegt und ich denke, dass ich mit schwarzgelb, so wie es jetzt ist, vielleicht auch leben kann, mit einer geschwächten CSU, einer selbstbewussten FDP und einer Kanzlerin, die gar nicht weiß, wie sie mit so einem Koalitionspartner umgehen soll. Die Grünen sind zweistellig. Das klingt erstmal gut, ist aber im Vergleich zum Zuwachs der Linkspartei und der FDP noch zu wenig leider. Ich hoffe auf eine entschlossene Opposition und das Ende einer Kuschelkoalition. Es wird spannend. Oder es könnte doch zumindest.
Ich bin also soweit im Reinen mit mir un der Demokratie. Nur die Wahlbeteiligung. Mal wieder katastrophal. Da möchte man mal... weiß ich nicht.

Bei mir hat man gestern mit Trennschleifern, Zangen, Hebeln und Bohrern im Mund den Ausbau der Südterasse begonnen. Das ganze mir ordentlich Blut, vielen Spritzen, schrecklichen Geräuschen und mehr Zeit als erwartet. Was ich mit der Schulter an meinen Kopf drücke ist kein Telefon, sondern ein Kühlakku und was aussieht wie Tictacs sind meine Schmerztabletten. Sonst geht es mir erstaunlich gut und ich weiß gar nicht, was ich die restliche Woche lang noch machen soll. Überhaupt keine Ahnung.

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Ich hab immer noch die Augen zu und warte, dass das Klopfen aufhört und weiß nicht, ob dass je passiert und ob ichs bemerken werde.
Nur unser Herz schägt uns wach. Es allein klopft weiter an die Tür, wenn wir uns schon stundenlang schlafend stellen.

Montag, September 14, 2009

Richtig geil Ferien...

Wenn man 7 Wochen lang Zeit totgeschlagen, renoviert und sich gelangweilt hat, muss man sich Gedanken machen, was man mit den übrigen Ferienwochen anfängt, bevor einem noch der Verstand abhanden kommt. Ich kann mich ganz gut beschäftigen. Halb sieben aufstehen, um durch den Park zu laufen, Einkaufszettel schreiben, ein Rollo montieren, Deklinationen auswendig lernen, französische Lernkrimis lesen... jetzt müsste ich nur noch pinke Sache anziehen, um weniger ich zu sein... komisches Gefühl.

Aber die Zeit vergeht schon irgendwie. Mein Bruder hat eine Zusage für Psychologie in Dresden, weiß aber noch nicht, ob er den Platz nimmt. Erstmal zieht er aus dem Wohnheim in seine neue WG und ist diese Woche voll mit streichen und ähnlichem beschäftigt, nachdem er letzte Woche seine Studienüberlegungen nach Den Haag ausgeführt hat, zum baden. Ich bin wahnsinnig gespannt, wie er sich wohl entscheidet - mich lässt das Gefühl nicht los, als hinge da auch mein Seelenheil dran.

Gestern endlich wieder mit Frau Müller im Zug - wie lange ist das her?! - und wieder sind 40 Minuten nichts, nur ein Wimpernschlag, ein Schulterzucken fast. Komm endlich, neues Semester! Ich warte!

Samstag, August 29, 2009

Was wir machen

So heißt ein Lied von Spillsbury und das spukt mir grade im Kopf rum.
Ich lese zur Zeit circa ein Buch pro Tag und habe mich an den Gedanken an einen Zahnarztbesuch soweit gewöhnt, dass ich gar keine Panik vor Montag schiebe - zumindest gerade nicht.

Gestern meinte ich noch, der Sommer wäre unglaublich lang, heute liegt ein verlorenes Häufchen Schnee auf unserem Hof und wartet in dieser gar nicht so lauschig warmen Nacht darauf, wegzutauen. Vielleicht ist aber auch Morgen noch etwas davon übrig.
Irgendwo in der Straße singt eine Gruppe betrunkener Jugendlicher Kling Klang und hat sich dermaßen in die Bridge verliebt, dass sie zur dritten Wiederholung ansetzt - vielleicht wissen sie aber auch nicht, wie es weiter geht. Dass sie überhaupt soweit gekommen sind, erfüllt mich mit einer spontanen Sympathie. Vielleicht geht das Gute in der Welt nie so ganz verloren.

Heute las ich "Everything is illuminated" zu Ende, dachte an Post Modernism und meine ungeschriebene Bachelorarbeit und darüber nach, wie man sich in relativ kurzer Zeit mit Verhaltensmustern anfreunden kann, die bis vor kurzem noch keine ernstzunehmende Option darstellten. Ich wage etwas neues hier gerade und halte still, halte aus, denke bisweilen 'das geht nicht mehr, das reicht nicht hin und nicht zurück' und in Momenten wie diesen 'Es kann funktionieren' und 'Manche Dinge muss man bis zu Ende ausprobieren, bevor man weiß, ob sie etwas bringen'.
Ich fühle mich philosophisch zwischen Vor- und Rückblenden und reduziere die Anzahl der täglich geschickten SMS auf 1. Ich bin stolz auf mich. Ich habe noch nie versucht mit diesem Werbungsbestreben, das mir so unglaublich viel Spaß macht, am Punkt des Gescheitertseins aufzuhören. Bis jetzt. Ich backe nichts und singe nichts und weine nicht und schreibe nichts. Ich gebe mich und dieses Unterfangen verloren und bin damit frei für den nächsten Startschuss, wenn er fällt. Wobei ich nicht glaube, dass das allzu bald sein wird. Eine so großgewachsene Frau verschwindet schließlich nicht einfach mal so.

Dennoch. In diesem Moment bin ich versöhnt mit der Welt. Was wir machen nennen wir "Askese", weil es all das ist, was wir niemals sein könnten. Nicht mal in Lichtmomenten. Nicht mal in Gedanken.

Letzten Montag sah ich "Oben" in der Vorpremiere - ein Film, der unter anderem mit einer wunderbaren Rahmengeschichte ausgestattet ist über Ellie und Carl. Und wie ich Ellie da so über die Leinwand fegen sah, musste ich an Maria denken, die sich in Hildesheim mit Arbeit zuschaufelt und Leuchtfeuer aufschichtet am Horizont. Und ein wenig später noch, auf dem Heimweg schon, habe ich gehofft, dass unsere Leben am Ende, in der Retrospektive, nicht zu einem Roman, sondern zu einer Kurzgeschichte würden. Dass man uns die Gnade der begrenzten Zeit und erhöhten Intensität zugestehen möge und anstelle eines Epos' einen Episodenfilm ansetzen könnte. Aus Scheitern und Erfolg, der am Ende die Überzeugung zurücklassen würde, dass da noch mehr, noch viel mehr gewesen ist, das ohne unseren Atem, unseren Herzschlag, unsere Augen unmöglich reproduziert werden könnte und doch existiert hat.
Kinderfilme lassen mich oft seltsam zurück. Das kann man hier sehen.

Und während ich mit dem Finger über vorbeirauschende Landschaften fahre, erklingt vom Fahrersitz ein leises aber bestimmtes: "Wir sind da."

Sonntag, August 16, 2009

Wo man hingeht, wenn man nur noch nach vorne kann

Was ich hier schreibe ist vielleicht eine Reaktion. Vielleicht nur die Spiegelung eines Impulses. Aber es ist. Das ganz sicher.

Wir sitzen in diesem unglaublich heißen Sommer, wie in einem Gewächshaus: Die Augen festgeklebt am Unendlichblau, die Hände nur halbwach an der warmen Erde. Die Luft um uns herum steht, sie zwingt uns in einer Enge mit uns selbst zu leben, die wir uns abgewöhnt und beinahe schon vergessen hatten. Es weht kein Wind um uns herum oder an uns heran, die Luft berührt uns einfach, presst sich auf unsere Haut und hält uns fest. Sie zerstört Illusionen von "Weit weg", indem sie uns so fest_hält: Die Welt ist direkt an uns dran. Sie lauert an unseren Körpergrenzen, bedrängt uns beinahe und bebt ein bisschen mit unserem Herzschlag, da wo sie uns berührt.
Es ist atemberaubend. Während wir versuchen alles hinter gläsernen Wänden außen vor zu lassen, macht uns diese intensive Begegnung mit uns Selbst - mit diesem Selbst, das wie eine Wolke um uns herumschwebt und von unserer Haut tropft - die macht uns zu flirrenden Molekülen. Und wir müssen nicht die Hand auf das Glas legen, ja wir müssen nicht einmal hinausschauen, um zu wissen, dass es auch draußen flirrt.
Die Luft drückt sich auf unsere Haut, als wollte sie mit uns schlafen - jetzt gleich und hier - und Innen wird Außen, wir zum Glashaus und du sitzt mir vielleicht gegenüber, vielleicht atme ich dich aber auch oder bin am Ende sogar Du. Vielleicht schleicht ihr an meinen Grenzen entlang. Vielleicht umschließen sie euch schon längst. Ich kann euch fühlen, wie ich hier so sitze: Die Augen festgeklebt am Unendlichblau und die Hände nur halbwach.

So fühlt sich das an. Noch ein Sommer für die Ewigkeit. Immer wieder Herz in die Luft und warten, wer es fängt. Ein Sommer für die Ewigkeit.




Und der Impuls? Von wo? Hier.