Dienstag, November 09, 2010

Die Wochen sind wie ein endlos langer Tag: Die Nacht dahinter reicht nicht aus,
um alle Tänze zu tanzen, alle Frauen zu küssen, alle Träume zu träumen, die du brauchst.

Montag, November 01, 2010

que sera sera

Das Winterrad ist fahrtüchtig, die Ersti-Woche gelaufen, die Kündigungsbestätigung lässt weiter auf sich warten, am Donnerstag kommt eine Professorin aus Wales und am Mittwoch kommt schon wieder eine neue Interessentin für den FSR vorbei. Wir haben plötzlich mächtig Zulauf. Darüber möchte ich mich aber nicht beschweren. Mehr Leute heißt ja auch weniger Arbeit für mich. Hoffentlich.
Und noch einen weiteren Grund zum Nicht-Beschweren bekam ich heute direkt geliefert, als ich mich kurz mit eben jener Interessierten unterhielt: Sollte sie auch sonst nichts für den FSR tun, so habe ich in Zukunt doch wenigstens während der Sitzung was zu gucken. Und das ist auf jeden Fall positiv.

Apropos gucken, was kommt: Die Kurswahl für Bangor gestaltet sich doch eine ganze Ecke komplizierter als erwartet. Irgendwie finde ich mich auf der Website noch nicht so wirklich zurecht. Deswegen werde ich die arme Frau aus Bangor am Donnerstag erstmal mit einer Frageliste bombardieren und hoffen, dass ich dann ein wenig schlauer bin. Zu hoffen bleibt auch, dass dieses Semester irgendwie gut ausgeht, denn obwohl ich bisher erst zwei Module besuche, bin ich voll und ganz ausgelastet. BiWi beginnt erst Ende November und ich bin mir nicht so sicher, welche weltbewegenden Erkenntnisse ich da bis Januar gewinnen soll, die mir ermöglichen dort eine Prüfung abzulegen... ich bin gespannt.

Auf Herzebene: Ich musste feststellen, dass ich meine jugendlichen Egoismus zumindest soweit verloren habe, dass ich nun nicht mehr glaube, der einzige fühlende und denkende Mensch zu sein. Deswegen erscheinen in letzter Zeit häufiger Dinge nicht unbedingt mitteilenswert und ich reduziere mein Output ganz schön. Ein Prozess mit dem ich nicht ganz zufrieden sein kann, da er sich auch auf Lieder und Gedichte erstreckt, die nunmehr vielfach ungeschrieben bleiben. Oder aber unveröffentlicht. Ich versuche daran noch zu drehen und zu rütteln, aber am Ende kommt doch alles, wie es soll. Und wie es denn soll, darauf bin ich neugierig.

Die Mia ist inzwischen in Paris und muss auch nicht unter der Brücke schlafen, Claudi weilt im Norden Londons, Olli ist in Schottland, Susi grade aus New York zurück und Julia packt Koffer für Barcelona. Es scheint das akademische Jahr des großen WeitWegs zu sein und dass soviele in diesem Zeitraum gehen, stimmt mich positiv, denn das bedeutet, dass die Meisten wohl im nächsten Wintersemester wieder mit mir zusammen studieren. Großartig.
Sonst gibt es von der Studienfront ja eher ärgerliches zu hören: Sachsen will das Staatsexamen wieder einführen. Als wären die neuen Abschlüsse icht schon genug in Verruf, will man sie nun auch von offizieller Stelle nochmals abwerten. Dabei wäre es vielleicht nicht verkehrt das Geld lieber in die Verbesserung des neuen Systems zu stecken. Das hat nämlich tatsächlich Potenzial. Wahrscheinlich antizipiert Sachsen damit aber lediglich die anstehenden großen Kürzungen im Bildungsbereich, denn ohne Geld für Tutorien, Konsultationen und kleine Seminare wird es nix mit der Qualität im Bachelor und Master. Ich könnte mich aufregen! Natürlich vor allem, weil ich mich hier im neuen System abmühe... So ist das eben: Nie kann mans mir recht machen.

Mittwoch, Oktober 20, 2010

Nix.

Ich würde euch jetzt hier gerne einen großartigen Eintrag hinzimmern. Damit ihr auch so ein Ziehen in der Brust habt, wie ich. Aber ich weiß nicht wie.

Wir befinden uns in der zweiten Uni-Woche, ich bin (noch) nicht mit den Hausaufgaben hinterher, FSR-Arbeit schlaucht grad irgendwie und die Liebe... Ach, die Liebe! Das ist eine schwierige Kiste mal wieder. Ich weiß nicht, warum ich mir immer die seltsamsten Frauen aussuchen muss, aber anscheinend hab ich mal wieder den Jackpot geknackt und schlage mich jetzt mit allerhand fehlgesendeten Signalen herum.
Dabei hab ich ganz andere Sorgen. Die Kurse für Wales müssen gewählt werden, die Bewerbung fürs Wohnheim muss raus, die Kündigungsbestätigung für die Leipziger Wohnung ist immer noch nicht da, mein Winterrad muss in Schuss gebracht werden und die Literatur für nächste Woche nimmt bereits grausige Ausmaße an - der einzige Lichtblick ist vielleicht die übliche Kauflandinventur am Samstag. Das bringt immerhin die Finanzen wieder ein bisschen nach oben.

Es gibt noch ein paar Krisenherde die nach ausführlicherer Beschreibung verlangen. Ich hoffe,ich schaffe das Morgen.

Auf Herzebene sonst so? Man ist zum Glück geboren. Oder eben nicht. Manchmal denk ich, ich bins. Weil ich mir sicher bin, dass diese Welt mein größtes Glück ist.

Samstag, Oktober 02, 2010

"This could be a case for Mulder and Scully"

Meine restlichen Weisheitszähne wurden am Dienstag extrahiert. Jetzt sitze ich zu Hause, warte, dass die Fäden gezogen werden, glaube wieder so richtig an Literatur und Musik und wundersame Entdeckungen. Ich habe am Wochenende jemandem verziehen und dabei erst gemerkt, wie nachtragend ich tatsächlich bin. Man könnte also ohne Übertreibung sagen, dass die Dinge sich gerade etwas seltsam ausnehmen. Genaueres wenn ich von den Schmerzmitteln runter bin und wieder Messestadtboden unter den Füßen habe.

Montag, September 20, 2010

Your life has begun somewhere else

Am Salatregal von Kaufland:
"Du schneidest nicht gerne Gemüse und ich schmiere nicht gerne Schnitten - meinst du nicht auch, es ist Schicksal, das wir uns hier treffen?"

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Ich bin auf dem Weg nach Weitweg, tue so, als hätte ich meine Taschen schon gepackt, als wäre alles schon gelaufen und ich hätte nichts zu verlieren, weil ich ohnehin nichts mitnehme. Und das ist so cool. Man glaubt gar nicht, wieviele Menschen auf eine völlig bekloppte Anmache eingehen... es ist faszinierend. Und es macht ungemein viel Spaß.

Mittwoch, September 15, 2010

Und plötzlich kann man nicht mehr einfach so gehen

Ich bin heute zufällig auf deiner Pinnwand gelandet. Zufällig, weil du deinen Namen mal wieder geändert hast. Und dann hab ich mir aus Sentimentalität oder Nostalgie all das durchgelesen, was du da hingeschrieben hast. Habe in dem Gefühl gebadet, dich zu vermissen und gedacht "später vielleicht nochmal...", aber dann fiel mir ein, dass du das sehen kannst. Wie ich da auf deinem Profil rumgelungert habe. Ohne etwas zu sagen.
Das ging dann so nicht. Ich warf dir also zwei Sätze hin und dachte, vielleicht passiert gar nichts, alles wie immer - du schweigst und ich leide für zwei Wochen ein kleines bisschen mehr. So geht das jetzt schon eine Weile. Ich versuche, dich zu erreichen - na ja, nicht richtig, ich hake nicht nach, nur ein schwaches Echo von weit her, ich hab ja auch Angst, mehr Angst vor einem Ende, als vor vor dem dich vermissen - und du sagst nichts, dir kommt das Leben dazwischen.
Und jetzt antwortest du doch. Ich habe eine Mail, die mir sagt, dass du auf meine Pinnwand geschrieben hast. Und ich mag gar nicht hinsehen. Ich höre eine Crescendo in der Endlosschleife und warte, dass es vorbei geht. Weil es nicht vorbei sein darf. Diese Geschichte, die keine ist.

Samstag, September 11, 2010

Bangor - da, wo es warm ist...

Ich vergleiche gerade Klimadiagramme, während im Hintergrund das Männerhalbfinale der US Open läuft und muss feststellen: Das könnte ganz nett werden in Wales.



Freitag, August 27, 2010

Da. Weg. Da. Weg. Und wieder da.

Seit zwei Tagen bin ich aus der sengenden Hitze Roms wieder zurück und mein Körper ist noch ganz high von 36°C, schwimmen und Stadtrumgerenne. Dementsprechend ist mein Bauchgefühl noch ein bisschen durcheinander und ruft beim Anblick der verbleibenden 6 Ferienwochen: Weg, weg, weg! Ich versuche nicht darauf zu hören. Weil es Zeit wäre auch mal wieder für länger anzukommen. Aber im gleichen Moment wird mir klar, dass das jetzt wohl so schnell nicht wieder gehen wird. Zu sehr bin ich vom Gefühl des stets-Zuhause durchdrungen.

Rom war großartig. Für einen Augenblick erlaubte ich mir die fantastische Träumerei des Auswanderns. In diese Sonnenglut, diesen übergroßen Stadtsommer voller geschichtsträchtigem Staub und halbkaputten Häusern. Für mich war es eine willkommene Verlängerung des Hochsommers, eine Woche Unerreichbarkeit ohne Uhr und Handy. Der Palatin, das Forum, die vatikanischen Museen, die spanische Treppe, der Trevi-Brunnen, die vielen Gärten und die ausgestorbenen Seitengassen lediglich Zugabe, nur aufprojiziert auf die Leinwand aus heiß und leuchtend.

undwiederwegundwiederwegundwiederwegwegwegundwiederwegundwieder....

Mittwoch, August 11, 2010

Keine Dummheiten zu machen, lohnt sich nicht

Ich bin also gestern Nachmittag nach Leipzig gefahren, habe den Polylux bei Stephan abgeliefert und angefangen Utopia von Sir Thomas More zu lesen. Dann wurde ich angerufen. Und wusste es mit Gewissheit. Dass auch die neue, bessere Version von mir brennt wie Zunder. Und dass ich das immer noch genieße.
Also bin ich ins GWZ gelaufen und wir haben uns Horrorfilme angeschaut. Erst zu viert, dann nur noch zu zweit. Als es dann um 4 war, stellten wir wie nebenbei fest, dass es sich nicht mehr lohnt, nach Hause zu gehen, begaben uns in die Horizontale - du auf dem Sofa und ich auf dem Boden - und warteten sehnsüchtig darauf, dass die Cafeteria öffnet und wieder Tag wird in diesem Sommer.
Inzwischen sind die Menschen hier zur Nachklausur angetreten, du verbringst die 90min mit einem weiteren Schlafversuch auf dem Sofa und ich denke mir, dass es vermutlich dumm war, herzukommen und dann auch noch so lange zu bleiben. Andererseits ist es vielleicht so, dass man sich mit der Realität abschrubben muss, wie mit einem Schwamm, damit man das Fantastische, das Rauschhafte des Lebens auf der Haut spüren kann.
Ich beginne meinem Gespür für Leichtsinnigkeiten und Risikoaktionen zu trauen. Das Schleudern, das Ziehen, das Hängenbleiben an Ecken und Türrahmen ermöglicht erst dieses Gefühl. Dass mein Leben ein wildes Tier ist und ich versuche, auf ihm zu reiten. Weil ich nicht ohne es kann.

Montag, August 09, 2010

Vinylknistern im Ohr

Du rufst an. Und ich frage mich, wie ich das jetzt schnell alles möglich machen kann. Den Polylux zurückgeben, meinen Vater willkommen heißen, das Eis ausgeben, Mia treffen, Tasche packen und dich sehen. Das nun auch noch. Also schiebe ich und erbettle Fahrzeuge, zucke die Schultern und klimpere etwas auf der Gitarre... es kommt nicht an. Wenn ich morgen Abend in Leipzig bin, bin ichs mit dir. Und weiß nicht, ob das so gut wär. Weiß vieles nicht.

Mittwoch, August 04, 2010

Lange, lange Reise

Ich bin zurück. Mit Blasen an den Füßen, einem echten Farmer's Tan und einer großen Zufriedenheit. Es war ein wunderbarer Weg, ein echtes Abenteuer und auch ein großer Erkenntnisgewinn:

Mit leichtem Gepäck bin ich nie unterwegs. Auch nicht, wenn ich den Rucksack absetze. Alles, womit ihr mich gezeichnet habt, ist immer dabei. Klebt auf meiner Haut, wie der Dreck an meinen Füßen. Und ich muss niemandem sagen, was und wer ich bin. Sie können es sehen, wenn sie mich anschauen, sie können es hören, wenn ich rede. Ich trage es mit Freude, denn zu Hause fängt innen an.

Mein Reisetagebuch gibt es demnächst hier. Und der nächste Trip kommt bestimmt.

Donnerstag, Juli 15, 2010

Letzte Prüfung - Variation

Wir haben gewettet. Mal wieder. Weil wir sonst nicht wissen, wie. Wie wir dem Wahnsinn Ausdruck verleihen sollen, den wir gerade erleben. Wir könnten uns schwarzweiß anmalen, uns 1 und 2 nennen und einen Mindestabstand von 30cm halten – es wäre trotzdem noch so bunt und heiß und intim wie jetzt. Meine Hand senkt sich auf die Türklinke – hinter mir zwei immer noch leicht amüsierte Prüfer und hinter der Tür höchstwahrscheinlich du.
Wir haben gewettet. Du hast gesagt, ich würde mich nicht trauen in diesem T-Shirt zur mündlichen Prüfung zu gehen. Ich hab nur gelacht. Du bist in den Laden, hast es gekauft und gesagt, wenn ich das anziehe, singst du nackt im GWZ. Und ich? Konnte nicht anders, als zu sagen okay.
Ich bin nervös. Aufgeregter als vor der Prüfung. Ob du wohl… Ja. Da stehst du, mit nichts bekleidet als einer Gitarre und deinem Lockengold. Du lachst mit jeder Bewegung und schaffst nur die erste Zeile: „Eins ist dunkel, Zwei ist hell…“, dann stockt dir der Atem, weil wir uns plötzlich so nah gegenüber stehen. Ich nehme dir die Gitarre ab – die stört jetzt nur noch – und drücke dich an die Wand. Du schnappst nach Luft, als der kalte Beton deine Haut berührt. Reicht es jetzt? Haben wir lange genug miteinander gespielt, um endlich… Die rechte Hand auf deiner Hüfte, die Linke in deinem Nacken, fällt es schwer das Atmen nicht zu vergessen. Unsere Blicke zucken unruhig zwischen Augen und Lippen hin und her – jetzt gleich! Unsere Körper sind bereits so dicht aneinander gedrängt, dass es mir schwer fällt zu sagen, wo ich anfange, wo du endest. Es ist, als würde eine Art Schwerkraft uns ineinander ziehen. Meine linke Hand gleitet über das Vibrieren deines Pulses und erreicht nach schier endlosen Augenblicken dein Kinn, um es nach oben zu schieben. Deine Lider flattern, schließen sich und du ziehst an mir, um uns zu einem zu verdichten. Dein Atem trifft auf meine Lippen, er ist flach und ein bisschen zittrig und erst jetzt ist auch für mich das Verzögern eine Unmöglichkeit geworden, muss ich dich… „Sie können jetzt wieder reinkommen, wir haben Ihr Ergebnis.“, deine Augen springen auf und öffnen sich zu Seen der Enttäuschung, ich seufze „Gleich“, sage ich und gehe zurück in den Prüfungsraum, lasse dich nackt und inmitten eines Strohfeuers zurück. Beim Schließen der Tür werfe ich einen kurzen Blick zurück: Du starrst ins Leere, eine Hand in deinem Haar, völlig überrascht von der Flutwelle, die da gerade über dir zusammengeschlagen ist. Und kurz bevor die Tür ins Schloss klickt höre ich noch, wie du einen der Russischstudenten nach einer Zigarette fragst.

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Für alle, die sich erkundigen wollen: Ja, es war ein großartiger Traum und sowieso ist alles Liebe gerade.

Mittwoch, Juli 14, 2010

Fast soweit

Die letzte Prüfung ist am Montag auch gelaufen. Und nicht mal schlecht. Seit gestern bin ich in Dessau und heute habe ich das Zelt zur Probe aufgebaut, Schuhe gekauft und eine Tour gesucht. Eine vorläufige zumindest. Jetzt muss ich mal noch schnell den Lateinbeleg durchkloppen und ein Blatt beim akademischen Auslandsamt abgeben und dann kann ich endlichendlich los. Geplant war Montag, aber durch die Auslandsamtsache könnte sich das noch ein- zwei Tage verschieben. Ich freue mich darauf. Sehr. Diese Tour ist auch gleichzeitig mein Monatsprojekt: Loslassen. Ich hab schon einiges losgelassen und loslassen müssen in den letzten Wochen und ich werde aus diesem Juli herauskommen mit leichtem Gepäck und unbeschwert. Genaueres zur Route, wenn ich mir sicher bin.

Freitag, Juli 09, 2010

"Es war Zeit! Längst!"

Das habe ich vor mich hingebrabbelt, als ich gerade nach Hause fuhr. Nach der FSR-Sommerparty noch mit Frau Müller gegenseitig die Herzen ausgeschüttet und noch fast betrunken eine dumme SMS geschrieben. Auf die noch keine Antwort kam. Aber es war Zeit. Weil zum alles verstehen eben vielleicht doch gehört, dass man das Meiste weiß. Es wird schon alles wieder gut. Und für einen kurzen Moment, als mir Kristin die Hand auf die Schulter legte und sagte "vielleicht...", da war mein Leben so schön... schon allein dafür hat es sich gelohnt.

Sonntag, Juli 04, 2010

blind oder faul oder...

zu doof. So lautet mein persönliches c). Ich stricke noch an dieser Katastrophe. Freitagnacht jedenfalls wandelte ich durch verlassene Uniflure voll stickiger Luft, sah mein eigenes Spiegelbild in den Fenstern, wie ich da stehe vor der Tür, hinter der Licht brennt und eine rauchende Frau den Film angehalten hat, bis ich wiederkomme, und als ich mich so sah, konnte ich nicht anders, als diese Szene, diese göttliche, für einen winzigen Augenblick von außen an zu schauen: Sieht das auch für andere so aus? So unzweideutig? Filme, Wein, Zigaretten und später noch ein bisschen Tina Turner - das muss sein - das Universitätsgebäude gehört nur uns beiden und das vage Gefühl der Deplaziertheit macht alles nur besser. "Was mach ich hier?", frage ich mein Spiegelbild, ohne eine Antwort zu erwarten und gehe wieder rein, wieder zurück in dieses Leben, das Fahrt aufnimmt, während es auf den Punkt der Eskalation zuhält. Ich muss es ihr sagen. Wie gut es ist. Nichts zu wissen und alles zu verstehen.

Dienstag, Juni 22, 2010

Diffusion

Ich habe gestern mal schnell ein Buch gelesen über das sich-Auflösen. Das diffudieren ins Grenzenlose. Also in das, wofür wir ursprünglich gemacht worden sind. Und darin stand dieser Satz: "Wer keine Lust hat, kann gar nichts machen. Überhaupt nichts.", gestern schob ich diesen Satz noch vor mir her wie eine unverhofft gefundene Kostbarkeit. Etwas, das entgegen aller Illusion wahr ist. Heute aber sitze ich in einer Vorlesung, in der die Rücken der Studenten an den Stuhllehnen kleben bleiben vor Hitze und alles Leben diesen Zustand stumpfen Herumwaberns angenommen hat, in dem das Verlangen seinen Höchstpunkt erreicht, sich aber noch nichts bewegt, der Körper noch keine Konsequenzen gezogen hat aus dieser innerlichen Verschiebung. Die Frau neben mir spürt es auch, glaube ich. Sie spürt auch, dass in ihrem Gehirn elektrische Impulse hin und her geschossen werden, die nur noch nicht stark genug sind, die Hände einige Zentimeter nach links zu bewegen.
>Wer Lust hat, kann alles tun<, schießt es mir durch den Kopf. Sie schaut herüber, als hätte sie das gehört und sieht mir auf die Hände, dann in die Augen. >(noch) nicht< will sie vielleicht sagen, als sie mir ein Papierschiffchen rüberschiebt, auf dem mein Name steht. Hand und Hand berühren sich für einen flüchtigen Augenblick und bleiben dann so nah nebeneinander liegen, dass auch das Nicht-Berühren fühlbar wird. Jetzt müsste ein Erdbeben kommen. Ein ganz leichtes. Die Welt soll sagen: "Jetzt macht doch endlich!". Sie schaut mich wieder an, als warte sie auch. Mit Seismographenblick. Schaut auf unsere Hände. Oder nur auf die Uhr.
Wer Lust hat, kann alles tun. Warum entscheiden wir uns dafür, nichts zu tun?

Sonntag, Juni 06, 2010

Living my life in all honesty

Bei sommerlichen Temperaturen in einem vollen Regionalzug zu sitzen und die Abendsonne direkt im Gesicht zu haben, ist in erster Linie eklig, klebrig und ziemlich unangenehm. Aber es hat auch was. Die erschöpften Mienen der Menschen, die unter allem Schweiß und allem Nichtmehrkönnen doch auch froh sind. Weil Sommer ist. Plötzlich. Das hat schon was.

Ich habe diesen wunderbar sonnigen Tag zum größten Teil im Dessauer Stadtpark zugebracht, wo heute der Anhaltische Kirchentag stattfand. Ich habe Vorträge gehört, auf einem Keyboard geklimpert, ein Theaterstück gesehen, gesungen, Kuchen gegessen und mich gefreut. Über die Sonne und das bunte Treiben.
Zu Hause erwartete mich eine ungepackte Tasche und ein Kaktus-Eis, sowie die Aussicht, bei diesen Temperaturen einen Zug besteigen zu müssen. Aber als wir in Leipzig einfuhren, war die Stadt plötzlich ein Leuchten und ich ging zu Fuß nach Hause und nahm nicht die klimatisierte Straßenbahn, die eine dünne Scheibe Glas zwischen mich und den Sommer geschoben hätte. Und dabei finde ich den Stadtsommer unsagbar schön. Es hat etwas zärtliches, wenn die Stadt daliegt, wie ein müdes Tier und ihre Bewohner die Häuser verlassen, voller Fürsorge für das Ungetüm, dem sie jetzt all ihr Lachen, ihr Tanzen, ihr Herzklopfen schenken. Stadtsommer, das sind asphaltwarme Nächte.

Und jetzt genieße ich einen der ersten richtig warmen Abende, indem ich auf dem Balkon sitze, lese, ein kühles Wasser trinke und die Beine hochlege. Es ist nämlich höchste Zeit mal wieder ein bisschen in den Himmel zu schauen und ein paar Tage lang nur für jetztundjetztundjetzt zu leben. In den vergangenen zwei Wochen war ich sehr mit meiner Bachelorarbeit beschäftigt, es war auf einmal nur noch wenig Zeit übrig, aber noch viel zu schreiben. Ich brachte jeden Tag viele Stunden in der Bibliothek zu und schrieb und schrieb. Am Ende ist sie doch noch rechtzeitig fertig geworden. Aber viel Spielraum ist nicht gewesen. Eher weniger als sonst.
Wie sehr mich diese 16 Tage gefordert haben, merke ich erst jetzt wirklich. Ich nehme mir vor, nächstes Mal früher anzufangen und ahne bereits, dass ich es wieder nicht schaffe. Aber es war wirklich kritisch. Vor allem emotional gesehen. Dieses Immer-auf-dem-Sprung sein und nochnichtfertig hat sehr an mir genagt. Umso größer war die Erleichterung, die Arbeit am Dienstag endlich einzureichen. Danach bin ich nach Hause gefahren und wusste nichts mit mir anzufangen. Ich musste ja nicht mehr schreiben. Oder korrekturlesen. Oder so. Also fing ich an, zu lesen. Von allem etwas. Vor wenigen Minuten habe ich die Stieg Larsson Trilogie beendet. "The Picture of Dorian Gray" ist so gut wie durch, Aristophanes' "Die Vögel" wird heute Abend noch beendet und ich habe auch wieder ein paar Kapitel in meinem geliebten "Spieltrieb" gelesen. Denn das mache ich im Juni: Lesen. Ich habe ein paar Bücher zu Hause, die ich gekauft hatte, um meine Englischleseliste ein bisschen aufzustocken und danach werde ich mich ein bisschen der Abteilung für Moderne Literatur in der Germanistik widmen. Ich freue mich drauf. Zwei Bücher pro Woche habe ich mir vorgenommen. Mal schauen, was da so bei rauskommt.

Und was habe ich nun eigentlich im Mai gemacht? Ich wollte ja eigentlich Guerilla Gardening ausprobieren. Aber ehe ichs so richtig bemerkt hatte, war schon der 8., ich hatte die BA-Arbeit am Bein und musste mir irgendwas überlegen, was weniger Zeit kostet. Hab ich auch. Ich habs mir in Münster überlegt auf diesem wundervollen Konzert: Mal nur die Wahrheit sagen. Einen Monat lang.
Ich bin nicht unbedingt eine notorische Lügnerin, aber vieles ist doch irgendwie einfacher, wenn man es nicht ganz so genau nimmt mit der Wahrheit: "Haben Sie schon mit der BA-Arbeit angefangen?", "Bist du sauer auf mich?", "Schläfst du schon?"... Ich habe mich also sehr genau kontrolliert und versucht, immer die Wahrheit zu sagen. Und das war gar nicht so einfach, wie ich es mir vielleicht zu Beginn noch vorstellte. Ganz routinemäßig - ohne darüber nachzudenken - waren viele Wahrheitsmodifikationen schon längst ausgesprochen, bevor ich es bemerkte. In der zweiten Woche habe ich dann angefangen, mich zu korrigieren, wo es ging. Es ist ein seltsames Gefühl für ein paar Wochen ohne Lügen zu leben. Nicht nur gut und befreiend, sondern kompliziert und demontierend. Die Wahrheit genauso unverkrampft und wenig verletzend zu formulieren, wie die vielen kleinen Alltagslügen, ist gar nicht so einfach. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Menschen plötzlich in meinem Kopf drin waren. Und da wollte ich sie ganz und gar nicht haben.
Bereichernd war es aber auf jeden Fall. Ich habe sehr deutlich erlebt, dass Wahrheit und Unwahrheit nicht durch klare Grenzen voneinander getrennt sind, sondern in einander verschwimmen. Häufig zumindest. Und ich überlege, ob ich das Projekt vielleicht ausbaue.
Vielleicht.

Samstag, Mai 15, 2010

My path is set.

In circles.

Je länger ich lebe, desto bewusster wird mir meine eigene Schizophrenie in allem DenkenFühlenHandeln. Das ist ein dringendes, ein schmerzendes Problem, das ich dennoch nicht behandeln, nicht klären, lieber aufschieben möchte. Ihr kennt das vielleicht selbst?
"Der Kopf sagt nein, doch die Füße wissen's besser
und das Herz sagt 'vielleicht morgen' und meint gestern"
Die Schwierigkeit ist vielleicht, dass man in Debatten mit sich selbst nie gewinnen kann. Nur gewinnen kann. Immer nur gewinnen. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob sich das dann noch lohnt.

Wo ist der Beweis?, frage ich und weiß, dass es diese Frage ist.

Freitag, Mai 07, 2010

Warum schlaft ihr denn?!

Ich bin gerade aus dem Bad gekommen und bin froh, dass ich in 2 Stunden auch schon los in Richtung Seminar gehen kann... Schlafen hat keinen Sinn mehr, der Abend, der seit gerade eben erst vorüber ist, war leuchtend schön und kalt und glitzernd und scharf. Ich bin sehr froh, hier zu sein und mit euch zu sein und Leipzig gewählt zu haben unter allen Sternen.
Vor wenigen Stunden habe ich experimentell kochend eine vegane Pizza mit fake-Fleisch und fake-Käse fabriziert, dann Long Island Ice Tea ausgeschenkt und schließlich Wahrheit oder Pflicht gespielt. Jetzt bin sehr fertig, aber gleichzeitig auf einem unglaublichen Stimmungshoch, das ich nicht gegen Schlaf eintauschen möchte. Auf der Fahrt nach Münster werde ich ein bisschen die Augen schließen. Einfach so. Glücklich.

Montag, Mai 03, 2010

So what now?

Ich sitze im Wohnzimmer. Die Beleuchtung ist indirekt. Im Hintergrund läuft bewusstseinserweiternde Indiemusik. Maria und Marcel laufen durch die Wohnung, als gelte es, eine bestimmte Entfernung zurückzulegen. Und mein Herz stößt plötzlich bei jeder Bewegung gegen meinen Brustkorb. Sophie würde sagen, das ist nur der Kaffee und ich würde nicht sagen, dass meine Hände nur deshalb so zittern, weil es mir so schwer fällt, nicht nach ihren zu greifen. Alternativ würde ich auch zu Drogen, Tanzen, Drinks, Singen oder Sex nicht nein sagen. Lasse das Wort 'Sehnsucht' über meinte Zunge gleiten und weiß, dass ich es in diesem Moment bin. Süchtig nach Sucht. Nach Rausch. "Mehrmehrmehr!" schreit das volleyballgroße Pulsieren, das sich durch Faustschläge und Hüpfen nicht abstellen lässt. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Schiebe die Frau vor mir beiseite, um sie nicht in einem Augenblick der Unbedachtheit niederzubrennen. Wo ich sie anfasse, leuchtet ihre Haut rot auf - "versengt" denke ich. Und muss laufen, muss weg, muss in Bewegung sein, um mir einreden zu können, schon hinter der nächsten Ecke könnte jemand, könnte etwas sein, dem ich all das antun kann, was meine vier Wände sprengen würde. Feuerfest.
Die Installation, die sie hier sehen, heißt: Vergeblichkeit. Ich habe Tonnen, habe tausende Kubikmeter dessen in den Händen, was ich als einziges so richtig gut kann. Und muss es alles alleine mit mir herumtragen, weil eure Beine schon brechen, wenn ich es euch nur zeige.
Ich brenne, ich brenne und leuchte nicht und heize nicht. Ich brenne. Vergeblich.